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Eis überzieht die USA und Kanada - auch die Stadt Cleveland.
Eis überzieht die USA und Kanada - auch die Stadt Cleveland.(Foto: AP)

Frost in Nordamerika, Frühling in Europa: "Christina" ist an allem schuld

Von Hubertus Volmer

Während Europa einen eher frühlingshaften Winter erlebt, leiden Millionen Nordamerikaner unter einer Rekordkälte. Zwischen beiden Extremen gibt es einen Zusammenhang: Ein Tief über dem Atlantik schaufelt kalte Luft nach Amerika und milde Luft nach Europa.

Global gesehen präsentiert sich dieser Winter als Extremfall: Während die Menschen in Kanada und den USA den kältesten Winter der vergangenen zwei Jahrzehnte erleben, ist das Wetter in Deutschland nahezu frühlingshaft. Schnee und Frost gibt es hierzulande nur auf den Bergen - im Flachland mussten die Kinder Schlitten und Schlittschuhe bislang im Schrank lassen.

Frühling im Januar. Hier am Bodensee in Unteruhldingen.
Frühling im Januar. Hier am Bodensee in Unteruhldingen.(Foto: dpa)

"In den letzten Wochen haben sich die Sturm- oder sogar Orkantiefs über dem Atlantik immer wieder regenerieren können", erklärt n-tv Meteorologe Björn Alexander. "Dadurch kam bei uns der Winter bislang einfach nicht zum Zuge. Denn mit der oft südwestlichen Strömung sind Frühlingsgefühle statt Winterfeeling auf der Tagesordnung."

Ganz anders in den USA. Die Nachrichtensender kennen kaum noch ein anderes Thema als die Kälte. "Dinge an meinem Körper sind gefroren, von denen ich nicht wusste, dass sie gefrieren können", berichtete eine Korrespondentin des Senders CNN aus der Stadt Minneapolis, wo es minus 18 und gefühlte minus 44 Grad kalt war. Der Ausschnitt wurde unter großem Gelächter des Publikums in der "Daily Show" von Jon Stewart gezeigt.

Stirbt der Klimawandel?

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Stewart machte sich auch über die Auftritte von Moderatoren und Experten beim konservativen Sender Fox News lustig, die angesichts der Kälterekorde ein Ende des Klimawandels ausriefen. Einer von ihnen sagte, der Begriff "globale Erwärmung" werde wohl noch in diesem Jahr sterben "angesichts des unglaublich kalten Wetters, das wir an diesem Wochenende hatten".

Mehr als 140 Millionen Amerikaner leiden unter der Eiseskälte. Tauwetter ist nicht in Sicht. Die Ironie dabei: Solange es in Nordamerika kalt ist, bleibt es bei uns frühlingshaft. Zwischen dem Frost dort und den milden Temperaturen hier gibt es einen direkten Zusammenhang.

"Christina" und der Atlantikhammer

Derzeit liegt ein riesiges Tiefdruckgebiet namens "Christina" über dem Nordatlantik. Da Tiefs sich im Kreis und gegen den Uhrzeigersinn drehen, wird auf seiner Westseite extrem kalte Luft vom Nordpol nach Amerika geleitet, auf der Ostseite jedoch sehr milde Luft aus Südwesten nach Europa. Selbst in Nordskandinavien liegen die Temperaturen im Plusbereich.

Diese Großwetterlage sei "in direkter Folge durch Polar- und Arktikluftvorstöße über Nordamerika und Grönland geprägt", so Björn Alexander. "Zudem verstärkte ein Hoch über dem Pazifik die nordwestlichen bis nördlichen Winde über dem Norden Amerikas." Der Dezember sei in den USA folglich fast überall zu kalt oder sogar deutlich zu kalt gewesen. "Und jetzt gab es noch den extremen Arktikhammer obendrauf." Die Folge: Östlich der Rocky Mountains ist es eiskalt - selbst im Sonnenstaat Florida und in Texas sanken die Temperaturen in den einstelligen Bereich.

Quelle: n-tv.de

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