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Neuer Therapieansatz: Beschießen und aushungern: Energieentzug tötet ruhende Krebszellen

Krebs ist für Betroffene eine schreckliche Diagnose, nicht zuletzt, weil die Rückfallquote auch nach intensiver Therapie relativ hoch ist. Umso mehr macht ein neuer Therapieansatz Hoffnung, der schlafende Tumorzellen aushungert. Doch mit der Ernährung von Krebspatienten hat das wenig zu tun.

Seneszente Tumorzellen eines Lymphdrüsenkrebses nach Chemotherapie.
Seneszente Tumorzellen eines Lymphdrüsenkrebses nach Chemotherapie.(Foto: MKFZ, Charité Berlin)

Auf der Suche nach wirkungsvollen Therapien gegen Krebs haben Forscher einen neuen Zugang gefunden. Das Team um Clemens Schmitt, Direktor des Molekularen Krebsforschungszentrums und Leitender Oberarzt in der Hämatologie/Onkologie an der Charité in Berlin, fand heraus, dass durch den Entzug von Energie ruhende Krebszellen, die nach einer Chemotherapie in einem erzwungenen Wachstumsstillstand im Körper weiter existieren, gezielt vernichtet werden können. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse könnte sich eine neue, sehr vielversprechende Krebstherapie etablieren, die auch vor Rückfällen schützt.

Mit einer Chemotherapie werden bisher nicht alle Krebszellen getötet. Einige treten in eine Art Schlafzustand, der als Seneszenz bezeichnet wird. In diesem Zustand können sich die Zellen zwar nicht mehr teilen, trotzdem geht von ihnen eine gewisse Gefahr aus. Zum einen produzieren sie Eiweißbotenstoffe, die zu Entzündungen im Körper führen können. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dass die Tumorzellen nach einer gewissen Zeit wieder aktiv werden und es deshalb zu Rückfällen bei Patienten kommt.

Eintritt in Ruhezustand kostet Energie

"Wir konnten sehen, dass die seneszenten Tumorzellen nach einer Chemotherapie regelrecht zuckerhungrig waren", erklärt Schmitt in einem Gespräch mit n-tv.de. Den hohen Energieverbrauch erklärten die Forscher damit, dass diese Zellen im Übergang zum Ruhezustand eine große Menge an Eiweißbotenstoffen produzierten. Diese Botenstoffe müssten von den Zellen unter hohem Energieaufwand wieder verdaut werden, da einige der Eiweiße sonst giftige Wirkungen haben könnten.  

Wird der Zuckerstoffwechsel in den Zellen durch zugeführte Substanzen gezielt gehemmt, sterben diese Zellen ab. Auf andere Zellen hat die kurzzeitige Hemmung der Energiegewinnung oder die Blockierung der Verdauung in den ruhenden Zellen jedoch keine nennenswerten Auswirkungen. "Dass heißt aber nicht, dass Krebspatienten nun ihre Ernährungsgewohnheiten auf zuckerfreie Kost umstellen sollten – die Ergebnisse unserer Studie ließen sich so nicht nachahmen", betont der Krebsforscher.

Bisher wurde die Unterbrechung des Energiestoffwechsel erfolgreich im Tierversuch an Mäusen mit Tumoren am Lymphgewebe untersucht. Weiterführende Untersuchungen werden derzeit durchgeführt, um die Erkenntnisse in nächster Zeit auch für Krebspatienten zum Einsatz bringen zu können. "Bis dahin dauert es jedoch noch einige Jahre", so Schmitt. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift "Nature" publiziert.

Quelle: n-tv.de

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