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Ist es blau-schwarz oder weiß-gold?: Forscher finden Antwort auf "Kleid-Frage"

Ein Foto von einem Kleid sorgt vor einigen Wochen im Internet für Diskussion und Kopfzerbrechen. Während die einen das Kleid als weiß-gold beschreiben, scheint es für die anderen blau-schwarz zu sein. Forscher liefern nun eine Erklärung für das Phänomen.

Vor einigen Wochen hat ein Foto von einem eleganten, spitzenbesetzten Kleid weltweit für Diskussionen gesorgt. In den sozialen Netzwerken posteten die Nutzer sich die Finger wund, denn es ging um die Frage: Welche Farbe hat das Kleid wirklich? Ist es blau-schwarz oder weiß-gold? Ein Konsenz konnte in der Internetgemeinde bis zum Schluss nicht gefunden werden. Forscher der Universitäten Gießen und Bradford gingen nun der Frage nach und versuchten herauszufinden, warum manche Menschen das Kleid in dunklen Farben und andere wiederum in hellen Farben sahen.

"Mit einem roten Kleid wäre das nicht passiert", sagte Prof. Dr. Karl Gegenfurtner von der Abteilung Allgemeine Psychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Der Grund für die Farbverwirrung liegt in der insgesamt bläulichen und gelblichen Färbung des Bildes. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlicht.

Wie das Forschungsteam herausfand, sahen alle Versuchspersonen im Grunde ähnliche Farbtöne. Allerdings unterscheiden diese sich in der Ausprägung der Helligkeit: Die Farbwahrnehmung der Teilnehmer reichte von einem sehr hellen (fast weißen) Hellblau bis zu einem leuchtenden Mittelblau. Ebenso wurde das Kleid als Gelb und Gold bis hin zu einem sehr dunklen (fast schwarzen) Braun beschrieben. Die unterschiedlichen Farben haben jedoch auch eine Gemeinsamkeit: Sie befinden sich alle im Farbkreis auf der sogenannten Tageslichtachse. Je nach Stand der Sonne tendiert das Tageslicht eher ins Bläuliche (mittags) oder ins Gelbliche (morgens und abends).

Mensch entscheidet sich unbewusst für Farbe

Normalerweise ist das menschliche Auge problemlos in der Lage, bläuliches oder gelbliches Licht unbewusst aus dem wahrgenommenen Bild herauszufiltern. So sehen dann alle Menschen dieselben Farben. Allerdings braucht das Auge dafür ein wenig Hilfe: Um die Farben richtig wahrzunehmen, benötigt es Anhaltspunkte, also Farben, die außerhalb der Tageslichtachse liegen. Das sind meist grüne oder rötliche Akzente, die einen Kontrast zu den gelblichen und bläulichen Farben bilden und somit dem Menschen Aufschluss über die Beleuchtungsverhältnisse gibt. Grüne und rote Farben fehlen jedoch gänzlich auf dem Bild mit dem Kleid.

Bei so einem Fall entscheidet sich der Betrachter ganz unbewusst für eine der beiden Varianten: "Die Fraktion der weiß-gold-Seher nahmen ein Kleid wahr, das einem kühlen bläulichen Licht ausgesetzt wurde", erklärt Prof. Karl R. Gegenfurtner. "Genauso gut könnte es aber ein blaues Kleid sein, das mit warmem Licht überbelichtet wurde." Welche Farbe das Auge nun wahrnimmt, liegt nicht in der Hand des Betrachters. Als das Forschungsteam allerdings das Kleid-Foto am Bildschirm digital mit einer rot-grünen Einfärbung bearbeitet hat, kam es bei den Versuchspersonen zu keinerlei Wahrnehmungsunterschieden mehr.

Tatsächlich stellt die Farbidentifkation entlang der Tageslichtachse das menschliche Auge vor Schwierigkeiten. In mehreren Studien wurde das Phänomen bereits untersucht. In einem Experiment sollten Versuchsteilnehmer an einem Bildschirm versuchen, ein komplett neutrales Grau einzustellen. Das gelang nur äußerst selten. Viel häufiger war es der Fall, dass das Grau ins Bläuliche oder Gelbliche tendierte. Abweichungen in die grüne oder rote Richtung gibt es dagegen fast nie.

Tatsächlich handelte es sich um ein blau-schwarzes Kleid. Aber die Auflösung dürfte im Vergleich zur Aufregung, die das Kleid auslöste, schnell zur Nebensache werden.

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Quelle: n-tv.de

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