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Zeichnung des Skeletts aus Kostenki.
Zeichnung des Skeletts aus Kostenki.(Foto: Philip Nigst/University of Cambridge/dpa)
Donnerstag, 06. November 2014

Uralter Knochenfund aus Russland: Fossil zeigt Herkunft der Europäer

Wann erreichte der moderne Mensch Europa? Und haben die heutigen Europäer mit diesen Vorfahren noch etwas gemein? Die Analyse von Erbgut aus den Knochen eines Mannes, der vor etwa 37.000 Jahren lebte, zeigt "überraschende Ergebnisse".

Im Erbgut heutiger Europäer sind noch Spuren der ersten aus Afrika eingewanderten anatomisch modernen Menschen zu finden. Das zeigt die Analyse von Erbgut aus Knochen eines Mannes, der vor etwa 37.000 Jahren im europäischen Teil des heutigen Russlands lebte. "K14" (nach dem Fundort Kostenki am Don) sei einer der ältesten Funde eines anatomisch modernen Menschen in Europa, berichten Forscher im Fachblatt "Science". Ähnlichkeiten mit Menschen aus Ostasien fanden sie nicht. Das belege, dass sich die westeurasische und die ostasiatische Linie schon vor mindestens 36.200 Jahren getrennt hatten.

Schädel des etwa 37.000 Jahre alten in Kostenki gefundenen Fossils "K 14".
Schädel des etwa 37.000 Jahre alten in Kostenki gefundenen Fossils "K 14".(Foto: Peter the Great Museum/dpa)

Experten gehen davon aus, dass die Vorfahren der heutigen Eurasier - also der Bewohner Europas und Asiens - vor etwa 60.000 bis 50.000 Jahren Afrika verlassen haben und sich dann auch in Richtung Europa ausbreiteten. Vor 40.000 Jahren hatten sich bereits verschiedene Kulturen anatomisch moderner Menschen über Russland, Georgien, Bulgarien und Südeuropa bis nach Großbritannien hin verbreitet, schreiben die Forscher. Inwieweit die frühesten Eurasier zum Genpool heutiger Europäer beigetragen haben, ist unter Wissenschaftlern bisher umstritten.

Das internationale Forscherteam um Andaine Seguin-Orlando von der Universität Kopenhagen in Dänemark analysierte nun Erbgut aus dem Schienbein eines Mannes, dessen Überreste 1954 im Westen Russland gefunden worden waren. Das Alter der Knochen wurde auf 38.700 bis 36.200 Jahr datiert, der Mann lebte somit im Jungpaläolithikum.

Die Wissenschaftler verglichen Merkmale seines Erbguts mit denen anderer früher Menschen und mit denen heute lebender. Es zeigte sich, dass das Erbgut Ähnlichkeit mit dem 24.000 Jahre alter Knochen eines Jungen aus Zentralsibirien und mit dem europäischer Jäger- und Sammler aus der Mittelsteinzeit aufweist. Die Mittelsteinzeit begann vor etwa 9600 Jahren und dauerte bis vor etwa 5500 Jahren.

"Sehr überrascht"

Auch im Erbgut von heute im westlichen Sibirien und in verschiedenen Regionen Europas lebenden Menschen fanden die Wissenschaftler Merkmale des Erbguts von "K14". Im Jungpaläolithikum gab es eine Zwischenpopulation, die sich zeitweise von Europa nach Zentralasien erstreckte, folgern die Forscher. Mehrfach, vermutlich fortwährend, kam es in beide Richtungen zu einem Genfluss zwischen den einzelnen Teilpopulationen.

"Dieses Ergebnis hat mich schon sehr überrascht", sagt Philip Nigst, Archäologe an der University of Cambridge (Großbritannien) und am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der an der Untersuchung beteiligt war. "Bisher war einfach nicht klar, inwieweit die einzelnen Populationen miteinander in Kontakt standen. Sie müssen sich aber tatsächlich immer wieder miteinander vermischt haben. Neuen genetischen Input - zum Beispiel aus dem Nahen Osten oder Afrika - gab es bis vor etwa 10.000 Jahren kaum."

Die Lage änderte sich, als vor etwa 8000 Jahren die ersten Bauern aus dem Nahen Osten kamen und sich samt ihrer sesshaften Lebensweise in Europa ausbreiteten. "Die Bauern haben sich mit den existierenden Wildbeuter-Populationen vermischt. Genetisch gehen die modernen Europäer heute zum großen Teil auf diese Bauern zurück", sagt Nigst. Schließen fanden die Wissenschaftler im Erbgut von "K14" recht lange Abschnitte von Neandertaler-DNA, was auf eine noch recht kurz zurückliegende Vermischung mit den Neandertalern hinweise - vor etwa 54.000 Jahren.

Vermischung vor 50.000 bis 60.000 Jahren

Dieses Ergebnis deckt sich mit dem einer Studie, die kürzlich im Fachblatt "Nature" vorgestellt wurde. Ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts hatte darin das Erbgut des bisher ältesten modernen Menschen in Asien entziffert. Der Mann aus Westsibirien lebte vor 45.000 Jahren, zu einer Zeit, als die Vorfahren heutiger Europäer und Asiaten begannen, sich getrennt voneinander zu entwickeln. Auch in diesem Genom hatten die Wissenschaftler Spuren von Neandertaler-DNA gefunden. Sie hatten errechnet, dass sich die modernen Menschen und die Neandertaler vor etwa 50.000 bis 60.000 Jahren vermischt hatten.

Eine weitere kürzlich veröffentlichte Studie hatte gezeigt, dass moderne Menschen Mitteleuropa schon vor mindestens 43.500 Jahren besiedelten - früher als bis dahin angenommen. Die Studie, an der Philip Nigst ebenfalls beteiligt war, wurde in den "Proceedings" der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de

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