Hoffnung für Krebspatienten: Gentherapie macht Fortschritte
Krebs, der in Hals und Nacken sitzt, gilt als besonders schwer zu therapieren: Weil bei der Behandlung Zellen getötet werden, die Speichel produzieren, zieht die Therapie weitere gesundheitliche Schäden nach sich. US-Forscher machen jetzt Hoffnung auf eine maßgebliche Verbesserung der Therapiemöglichkeiten.
Eine vorerst noch experimentelle Gentherapie hat einigen Krebspatienten in denUSA vorübergehend wieder zu einem stärkeren Speichelfluss verholfen. Das berichteteine Gruppe um Bruce Baum von den US-Gesundheitsbehörden in Bethesda imUS-Bundesstaat Maryland.
Hintergrund dieser frühen Phase-I-Studie: Patienten mit Krebs in Hals und Nackenmüssen im Zuge der Therapie oft bestrahlt werden. Dabei gehen auch jene Zellen zugrunde,die Speichel produzieren. Das wiederum zieht eine Vielzahl neuer Probleme mit derVerdauung, der Zahngesundheit und Infektionen des Hals-Rachen-Raumes nach sich.Das schreibt Baum in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.
Genfähre für Erbinformation
Das Ziel der Forscher: Sie wollen verbleibende Zellen in der Speicheldrüse dazuanregen, wieder Flüssigkeit abzugeben. Diese Aufgabe übernehmen sogenannte Aquaporine,das sind Kanalproteine. Sie sitzen in der Zellmembran und können Flüssigkeiten durchsie hindurch transportieren.
Baum konstruierte eine sogenannte Genfähre, um die Erbinformationen für Aquaporinein Zellen in der Speicheldrüse zu schleusen. Diese Aufnahme übernehmen für den Menschenungefährliche Adenoviren. Die zu übertragenden Gene werden in die Viren eingebautund dann in großer Zahl per Infusion in das Zielgewebe der Patienten übertragen.Dort schleusen die Viren die Erbanlage in die Zellen ein.
Verstärkter Speichelfluss
Die Gene gelangen dabei allerdings nicht in den Zellkern und werden dort alsonicht fest eingebaut. Deshalb werden die gewünschten Proteine nur für einige Tagegebildet, dann geht die eingeschleuste DNS wieder verloren. Der kurze Zeitraum zeigteaber, dass sechs der insgesamt elf behandelten Patienten - wie erwartet vorübergehend- einen messbar verstärkten Speichelfluss hatten.
Solche Phase-I-Studien prüfen in erster Linie, ob die getestete Behandlung fürden Menschen gefährlich ist, so könnte sich das Immunsystem heftig gegen die Virenzur Wehr setzen. Die beobachteten Nebenwirkungen während der 42-Tage-Untersuchungwurden als mild oder moderat eingestuft. Die Ergebnisse seien "vorsichtig ermutigend"für eine entsprechende Behandlung von Krebspatienten, lautet das Resümee des Teams.Zuvor hatte es die Genfähren in großem Umfang an Versuchstieren erprobt.
Quelle: n-tv.de

