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Die neuen Erkenntnisse werden besonders für Patienten mit chronischen Schmerzen als wichtig eingestuft.
Die neuen Erkenntnisse werden besonders für Patienten mit chronischen Schmerzen als wichtig eingestuft.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Pessimisten leiden länger: Glaube an Therapie lindert Schmerz

Ein Schmerzmittel allein zeigt mitunter keine große Wirkung. Erst wenn der Patient davon ausgeht, dass die Schmerzen dank der Behandlung abnehmen werden, geht es ihm auch tatsächlich deutlich besser. Negative Erwartungen dagegen können die Wirkung eines Medikaments vollständig zerstören.

Glaubt ein Patient an dieWirkung einer Schmerzbehandlung, hat er tatsächlich weniger Schmerzen. Das hat einForscherteam um die Neurologin Ulrike Bingel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf(UKE) nachgewiesen. Vor allem für die Therapie chronischer Schmerzpatienten seiendie Erkenntnisse bedeutsam, schreibt Bingel in der Fachzeitschrift "ScienceTranslational Medicine". Würden Patienten gezielter aufgeklärt, könnten positiveErwartungen geweckt und negative vermieden werden.

An 22 gesunden Probandenzwischen 20 und 40 Jahren zeigten die Wissenschaftler, dass die Erwartung an eineTherapie die Wirkung von Schmerzmedikamenten beeinflusst. Eine Schmerztherapie wirktdeutlich besser, wenn Patienten sich viel davon versprechen. Haben sie dagegen keineoder eine schlechte Erwartung an die Therapie, wird der Schmerz nur wenig oder garnicht gelindert.

Angst macht Medikamentwirkungslos

Die Probanden wurden mehrfacheinige Sekunden lang einem Hitzereiz ausgesetzt, der zu einem mittleren bis starkenSchmerz führte - auf einer Skala von 0 bis 100 im Schnitt 70. Dabei erhielten sieper Infusion in manchen Fällen ein stark wirksames, opioidhaltiges Schmerzmittel(Remifentanil).

Im ersten Versuch wusstendie Probanden nicht, dass ihnen durch den Infusionsschlauch bereits das Schmerzmittelverabreicht wurde. Die Schmerzintensität sank durch diese "heimliche"Verabreichung von 66 auf 55. Erst dann wurde den Probanden gesagt, die Schmerzmittelgabestarte nun, obwohl in Wahrheit nichts an der schon vorher begonnenen Dosierung verändertwurde. Das Schmerzempfinden fiel dadurch weiter auf einen Mittelwert von 39.

Schließlich sagten die Forscherden Probanden, die Schmerzmittelgabe würde nun gestoppt. Tatsächlich wurde aberauch weiterhin nichts an der Dosierung verändert. Ergebnis: Das Schmerzempfindenkletterte im Schnitt auf 64 - und damit fast so hoch wie vor Beginn der Schmerzmittelgabe."Die negative Erwartung und die Angst vor dem Schmerz haben den Effekt desMedikament vollständig zerstört", sagte Bingel.

KörpereigeneSchmerzhemmung aktiviert

Diese Effekte ließen sichauch mit der zeitgleichen Untersuchung im funktionellen Magnetresonanztomografennachweisen, der die Schmerzverarbeitung im Gehirn sichtbar machen kann. Glaubteein Proband an die Behandlung, wurde das körpereigene schmerzhemmende System aktiviert- und verstärkte die Wirkung des Schmerzmittels.

Die Erkenntnisse seien besondersfür die Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzen wichtig, sagte die Forscherin."Vielen von ihnen konnte über Jahre nicht geholfen werden; sie sind verzweifeltund ängstlich, haben kein Vertrauen mehr in die Medizin. Jetzt wissen wir, dassauch die negativen Erwartungen an die Therapie deren Erfolg beeinträchtigen unddie Wirkung von eigentlich potenten Schmerzmitteln ungünstig beeinflussen kann."

Quelle: n-tv.de