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Unterirdisches Wasser auf dem Titan: Hinweise stärken Ozean-Theorie

Seit Langem vermuten Wissenschaftler, dass sich auf dem Saturnmond Titan ein unterirdischer Ozean befindet. Neue Daten der Raumsonde "Cassini" erhärten jetzt den Verdacht.

"Kraken Mare": Ein See ist auf diesem Bild des Saturnmonds Titan sichtbar.
"Kraken Mare": Ein See ist auf diesem Bild des Saturnmonds Titan sichtbar.(Foto: NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute)

Auf dem Saturnmond Titan schwappt womöglich ein gigantischer unterirdischer Ozean. Diese Vermutung erhärten neue Messungen der europäisch-amerikanischen Saturnsonde "Cassini". Die Raumsonde hat seit 2006 mehrmals das Schwerefeld des großen Saturnmondes vermessen. Die dabei festgestellten starken Änderungen lassen sich nur mit einem verformbaren Inneren des Mondes erklären, schreiben Forscher um Luciano Less von der Universität Rom im US-Journal "Science". Das wiederum sei konsistent mit einem globalen unterirdischen Ozean.

Einen solchen unterirdischen Ozean vermuten Forscher schon länger auf Saturns größtem Mond. Klare Beweise für seine Existenz gibt es bislang allerdings nicht. Das ändern auch die neuen "Cassini"-Daten nicht, sie stärken jedoch diese Theorie. Die Forscher hatten Präzisionsmessungen des Titan-Gravitationsfeldes aus sechs nahen Vorbeiflügen von "Cassini" zwischen 2006 und 2011 ausgewertet. Damit konnten sie bestimmen, wie der Mond vom schwankenden Schwerefeld seines Mutterplaneten verformt wird. Verformt sich der Planet, ändert sich auch sein eigenes Gravitationsfeld.

Ein Ozean aus normalem Wasser?

Es zeigte sich, dass die Saturn-Gezeiten Titans Gravitationsfeld immerhin um bis zu vier Prozent ändern. So eine starke Reaktion auf die Gezeiten sei nur möglich, wenn das Innere des Mondes sich während seines Umlaufs um den Saturn verformen lasse. Eine entsprechende Flexibilität hätte etwa ein unterirdischer Ozean, wie er auch auf dem Jupitermond Europa vermutet wird. Alternativ ließe sich die Verformung von Titan auch mit einem viskosen Kern des Saturnmondes erklären. Am wahrscheinlichsten sei auf Titan jedoch aus verschiedenen physikalischen Gründen ein Ozean aus normalem Wasser, schreiben die Forscher. Andere Modelle gehen von einem schwefel- oder ammoniakreichen Gewässer aus, das eine größere Dichte hätte.

Der größte Saturnmond hüllt sich in eine undurchdringliche Wolkendecke. "Cassini" hatte 2004 das Landemodul "Huygens" auf dem Titan abgesetzt. "Huygens" lieferte Bilder von einer kargen, kalten Welt, auf der es Anzeichen für Flüsse und Seen gibt. Wegen der eisigen Temperaturen auf dem Titan kann darin jedoch kein Wasser fließen. Forscher nehmen an, dass die Titan-Seen mit flüssigen Kohlenwasserstoffen gefüllt sein könnten. Auch auf der Oberfläche gibt es Anzeichen für feste Kohlenstoffverbindungen. Manche vermuten daher sogar, Titan sei mit Seen aus Benzin und Dünen aus Kohle "das größte Treibstofflager des Sonnensystems".

Quelle: n-tv.de

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