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Gefährliche Keime in Krankenhäusern: Jährlich tausende Todesfälle

Jedes Jahr infizieren sich Hunderttausende Menschen in deutschen Krankenhäusern mit Keimen. Tausende sterben daran, wie nun ein frühgeborenes Baby auf einer Säuglingsstation der Berliner Charité. Unabhängig davon sind Bakterien, die gegen Antibiotika weitgehend unempfindlich sind, seit Jahren ein zunehmendes Problem in Krankenhäusern, Arztpraxen und Altenheimen.

Kolonien von Serratia marcescens Darm-Bakterien wachsen in einer Petrischale.
Kolonien von Serratia marcescens Darm-Bakterien wachsen in einer Petrischale.(Foto: dapd)

Um welche Erreger geht es in der Berliner Klinik?

Bei dem Keim, der bei mehreren Kindern auf Neugeborenenstationen der Charité gefunden wurde, handelt es sich um das Bakterium Serratia marcescens. Es gehört zur Familie der Enterobakterien, also der Darmbakterien. Sie kommen überall in der Umwelt vor - auf Pflanzen, Tieren und auch beim Menschen. Sie befinden sich im Darm, halten sich aber auch gut im Wasser, mit dem sie zum Beispiel über Spritzen oder die Hände des Pflegepersonals weiter verbreitet werden können, wie Sören Gatermann vom Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger sagt.

Welche Erkrankungen verursachen Serratien?

Sie können zu einer schweren Wundinfektion oder Lungenentzündung sowie zur Blutvergiftung führen.

Warum sind Frühchen besonders gefährdet?

Frühgeborene Kinder haben ebenso wie Patienten auf Intensivstationen oder Organtransplantierte ein sehr geschwächtes Immunsystem und können Keimen dadurch nicht viel entgegensetzen. Für gesunde Menschen sind Serratien und andere Erreger in der Regel kein Problem.

Wie häufig infizieren sich Patienten mit Klinikkeimen?

Exakte Daten fehlen. Es wird geschätzt, dass sich jedes Jahr rund 400.000 bis eine Million Menschen bei einem Klinikaufenthalt infizieren. Vorsichtige Schätzungen gehen von 7500 bis 15.000 Todesfällen aus. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) beziffert die jährlichen Todesfälle durch Klinikinfektionen hingegen auf bis zu 40.000. Zwanzig bis dreißig Prozent der Infektionen, so schätzen Experten, wären durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen vermeidbar.

Welche Keime sind besonders gefährlich?

Die meisten Infektionen werden durch den Methillicin-resistenten Staphylococcus aureus, kurz MRSA, ausgelöst. Der Bakterienstamm kann schwere bis tödliche Infektionen verursachen und ist gegen die meisten Antibiotika wie Penicillin resistent. Sogenannte Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) können gefährliche Darmkrankheiten auslösen.

Was macht die Keime zu einer so großen Gefahr?

Diese multiresistenten Erreger sind gegen verschiedene Antibiotika unempfindlich geworden, was die Therapiemöglichkeiten deutlich beschränkt. Zudem dauert es oft mehrere Tage, bis der Erreger überhaupt identifiziert ist.

Welchen Schutz gibt es?

Die Händedesinfektion ist eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen die Keime. Neben einer strikten Hygiene fordern Experten auch einen maßvollen Einsatz von Antibiotika und die Einhaltung der Hygienevorschriften, um die Weiterverbreitung resistenter Keime zu verhindern. Die Bundesregierung hatte vor kurzem das Infektionsschutzgesetz entsprechend strenger geregelt.

Quelle: n-tv.de

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