Wissen

Nach der Katastrophe in Fukushima: Jod-131 verbreitet sich weltweit

In den USA wird radioaktives Jod nachgewiesen. Es stammt aus Japan, sind sich die Experten sicher, denn Jod-131 kann sich schnell über weite Strecken verteilen. Gelangt das radioaktive Material in den Körper, lagert es sich in der Schilddrüse ab und kann Krebs auslösen.

Jodtabletten sollen nicht vorsorglich eingenommen werden.
Jodtabletten sollen nicht vorsorglich eingenommen werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima werden auch im Nordosten der USA und in Südkorea erhöhte Spuren von Radioaktivität gemessen. In Cleveland im Bundesstaat Ohio finden Forscher eine kleine Menge Jod-131 im Regenwasser auf dem Dach der Universität. Auch wenn Jod-131 nach Angaben der Wissenschaftler überall vorkommen kann, wo radioaktiver Abfall produziert wird, sind sie sich sicher, dass das radioaktive Material aus Japan stammt.

Jod ist ein natürliches Elemente und in seiner stabilen Form unbedenklich. Es ist sogar sehr wichtig für den Organismus und wird von der Schilddrüse verarbeitet. Die Umwandlung in die radioaktiven Isotope Jod-131 und Jod-123 erfolgt bei der Kernspaltung in Atomreaktoren und bei der Zündung von Atomwaffen. Kommt es zu Schäden am Reaktorkern und dessen Sicherheitsmantel, entweichen die Isotope. Das Auftauchen dieser gefährlichen Varianten ist deshalb typisch für Strahlen-Lecks an Atomkraftwerken. Die instabilen Jod-Isotope werden hauptsächlich kurze Zeit nach einem Atomunfall eingeatmet oder über Nahrung und Trinkwasser aufgenommen. Wie alle anderen Radionuklide ist radioaktives Jod weder sicht- noch riechbar.

Das nun auch außerhalb von Japan nachgewiesene Jod-131 besitzt eine kurze Halbwertszeit von acht Tagen - zum Vergleich: Cäsium 137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Da radioaktives Jod sehr flüchtig ist, wird es, wie radioaktives Cäsium, in der Luft über weite Entfernungen verteilt - auch über Kontinente und Ozeane hinweg. Das geschah auch 1986 nach dem Super-GAU in Tschernobyl.

Aufnahme über Lebensmittel

Doch radioaktives Jod kann nicht nur eingeatmet, sondern auch über verseuchte Lebensmittel in den menschlichen Körper gelangen. Blattgemüse etwa nimmt das Material direkt aus der radioaktiv verseuchten Luft auf. Fleisch, Milch und Eiprodukte werden kontaminiert, wenn Tiere belastetes Gras oder Futter fressen. Durch verseuchtes Wasser können auch maritime Lebensräume und Fischprodukte betroffen sein. Verseuchte Lebensmittel können nicht einfach entgiftet werden. Werden die Grenzwerte überschritten, müssen die Nahrungsmittel fachgerecht entsorgt werden.

Im Körper setzt sich radioaktives Jod vor allem in der Schilddrüse fest und kann langfristig zu Schilddrüsenkrebs führen. Kinder und junge Menschen sind dabei besonders gefährdet. Um eine Strahlenbelastung mit radioaktivem Jod zu verhindern, kann man vor einer Verstrahlung Jod-Tabletten mit dem Isotop Jod-127 einnehmen. So ist die Schilddrüse ausreichend mit diesem stabilen Jod versorgt und braucht nicht mehr das gesundheitsschädliche radioaktive Jod aufnehmen. Experten raten jedoch von einer vorbeugenden Einnahme von hochdosierten Jodtabletten ausdrücklich ab, da diese das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen erhöhen können. Nur eine radioaktive Wolke etwa direkt über Deutschland würde die Einnahme von solchen Jodpräparaten rechtfertigen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen