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Die Gletscherzunge in British-Columbia ist ein begehrtes Fotomotiv, doch lange wird es das Naturphänomen nicht mehr geben.
Die Gletscherzunge in British-Columbia ist ein begehrtes Fotomotiv, doch lange wird es das Naturphänomen nicht mehr geben.(Foto: imago/Westend61)

Eis verschwindet bis 2100: Kanada verliert seine Gletscher

Der Klimawandel ist in vollem Gange. Das bekommen auch die Kanadier zu spüren. Die Gletscher werden bis zum Ende des Jahrhunderts komplett geschmolzen sein. Das könnte zu drastischen Problemen im Wasserhaushalt führen.

Kanada wird den größten Teil seiner Gletscher einer Studie zufolge bis Ende des Jahrhunderts einbüßen. Die Fläche des westkanadischen Gletschereises werde voraussichtlich bis 2100 im Vergleich zum Jahr 2005 je nach Region um 75 bis mehr als 90 Prozent schwinden, berechnen Forscher auf Grundlage von Klimamodellen unter Berücksichtigung des Eisflusses. Da die Eisgebiete Flusssysteme speisen, habe ihr Rückgang massive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, mahnen die Forscher um Garry Clarke von der University of British Columbia in Vancouver im Fachblatt "Nature Geoscience".

Die Gebirgsgletscher ziehen sich weltweit seit Jahrzehnten zurück. Bislang stützen sich Prognosen zu ihrer Entwicklung auf Daten zu wenigen Gletschern, die dann auf die übrigen übertragen werden. Im Gegensatz dazu koppelten die Forscher um Clarke Klimamodelle mit hochaufgelösten Daten zur Topographie im Westen von Kanada und bezogen auch den Eisfluss in ihre Simulationen ein.

In Alberta und British-Columbia bedecken Gletscher ein Areal von knapp 27.000 Quadratkilometern, was etwa der Fläche Brandenburgs entspricht. Die Gletscherareale entlang der Küste mit seinem Meeresklima werden demnach voraussichtlich um etwa 75 Prozent schwinden, schreiben die Forscher. Die im Inland gelegenen Eisgebiete samt denen der Rocky Mountains gehen demnach sogar um mehr als 90 Prozent zurück. Dort schmilzt etwa das Columbia-Eisfeld, zu dem acht große Gletscher gehören, zum größten Teil ab.

Meeresspiegelanstieg gefährdet Wasserhaushalt

Der Eisverlust würde den Meeresspiegel zwar nur um etwa sechs Millimeter steigen lassen, schreiben die Autoren. Er habe aber große Auswirkungen auf den regionalen Wasserhaushalt. Demnach wird die Schmelzwasser-Menge zwischen 2020 und 2040 auf ein Höchstmaß steigen und dann wegen der schwindenden Eismenge absinken – mit Folgen für Pflanzen- und Tierwelt wie auch für Forst- und Landwirtschaft.

Die Methode der Wissenschaftler lasse sich auf viele andere der weltweit mehr als 170.000 Gletscher übertragen, schreibt Andreas Vieli von der Universität Zürich in einem Kommentar in "Nature Geoscience". Vor allem die Berücksichtigung des bislang vernachlässigten Eisflusses biete ein realistischeres Szenario, betont er, allerdings mit einer grundsätzlichen Einschränkung. "Letztlich werden Projektionen durch Ungewissheiten der Szenarien zum künftigen Klimawandel beeinflusst sowie durch unser begrenztes Verständnis von Prozessen wie etwa der Rolle der Albedo oder von Geröllablagerungen."

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Quelle: n-tv.de

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