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Das "Kuschelhormon" Oxytocin soll nach einer Studie die Spendenbereitschaft beeinflussen.
Das "Kuschelhormon" Oxytocin soll nach einer Studie die Spendenbereitschaft beeinflussen.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 29. November 2015

Ökologisches oder soziales Projekt: Kuschelhormon fördert Spendenbereitschaft

Vor allem bei Frischverliebten und Stillenden ist der Oxytocinspiegel hoch. Wie das sogenannte Kuschelhormon auf die spezielle Spendenneigung wirkt, untersuchen Forscher und sind vom Ergebnis überrascht.

Als Kuschel- oder Bindungshormon bekannt, sorgt Oxytocin für die Stärkung sozialer Bindungen. In früheren Studien konnte bereits gezeigt werden, dass es auch die Großzügigkeit fördert. Inwieweit es die Spendenbereitschaft beeinflusst, haben Forscher der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn nun herausgefunden.

Buschmänner im Kongo: Zur Wahl standen den Probanden ein ökologisches Projekt im Kongo und ein soziales Vorhaben, mit dem die Lebensgrundlagen der Ureinwohner dort werden sollten.
Buschmänner im Kongo: Zur Wahl standen den Probanden ein ökologisches Projekt im Kongo und ein soziales Vorhaben, mit dem die Lebensgrundlagen der Ureinwohner dort werden sollten.

Dafür wurden mit insgesamt 172 Teilnehmern verschiedene Tests durchgeführt. Zunächst erhielt jeder Proband 10 Euro. Dann sollte er entscheiden, ob er die Summe selbst behalten oder alles oder ein Teil davon spenden will. Für eine Spende konnten die Studienteilnehmer zwischen zwei realen Spendenprojekten entscheiden. Zur Wahl standen ein ökologisches Projekt zur Aufforstung des Regenwaldes im Kongo und ein soziales Vorhaben, mit dem die Lebensgrundlagen der Ureinwohner im Kongo verbessert werden sollten. Während die Probanden Zeit für ihre Entscheidung bekamen, testeten die Forscher den Oxytocinspiegel im Speichel der Befragten.

Die Forscher vermuteten, dass Oxytocin die Spendenbereitschaft für beide Projekte steigert, da auch die ökologische Nachhaltigkeit eine soziale Dimension in sich trägt. Doch die Ergebnisse zeigten etwas anderes. Zwar spendeten diejenigen, bei denen die Hirnanhangdrüse viel Oxytocin ausschüttete, wesentlich großzügiger als diejenigen mit einem geringen Oxytocin-Spiegel  – allerdings nur für das soziale Projekt. Für das Projekt zur ökologischen Nachhaltigkeit hingegen blieb dieser Effekt aus, egal ob viel oder wenig körpereigenes Oxytocin vorhanden war.

Oxytocin-Gabe ändert nichts

In einem weiteren Versuch testeten die Wissenschaftler die Spendenbereitschaft der Teilnehmer mit der Gabe von Oxytocin mittels Nasenspray für die eine Gruppe und der Gabe von einem Placebo für die andere Gruppe. Wiederum konnten die Probanden zwischen den beiden Projekten und der Höhe der Spende wählen.

Der Effekt, der beim ersten Teil der Untersuchung festgestellt werden konnte, wurde auch beim zweiten Versuch bestätigt. Die Oxytocin-Gruppe spendete mit durchschnittlichen 4,50 Euro mehr als doppelt so viel für das soziale Projekt wie die Placebo-Gruppe. Für das ökologische Nachhaltigkeitsprojekt hingegen ging die Spendenbereitschaft mit Oxytocin sogar noch zurück: Während die Placebo-Gruppe im Schnitt 4,42 Euro abgaben, zeigte sich die Kuschelhormon-Gruppe mit 2,42 Euro eher knauserig.

Mehr für sozial verträgliche Produkte

Um festzustellen, wie die Haltung der Studienteilnehmer zu ökologisch erzeugten Gütern und Dingen aus sozialer Produktion aussieht, bekamen die Probanden eine dritte Aufgabe. Sie sollten aus Katalogen mit verschiedenen Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken etwas aussuchen und angeben, wie viel sie bereit sind, dafür zu zahlen.

In einem Katalog waren Produkte aus sozialer Produktion, bei denen auf gute Arbeitsbedingungen geachtet wurde. Der andere zielte auf ökologisch erzeugte Güter ab, bei denen auch auf die Erhaltung der Artenvielfalt Wert gelegt wurde. Die Probanden bekamen aber jeweils nur einen der beiden Kataloge zu Gesicht. Die vorher mit Oxytocin behandelte Gruppe wählte mehr sozial nachhaltig erzeugte Produkte aus als die Placebo-Teilnehmer. Sie war sogar bereit, dafür doppelt so viel Geld zu zahlen wie für konventionelle Erzeugnisse. In der Gruppe mit dem ökologisch ausgerichteten Katalog war praktisch kein Oxytocin-Einfluss zu verzeichnen.

"Wenn für ökologische Projekte Unterstützung benötigt wird, sollte die soziale Botschaft des Vorhabens in den Vordergrund gestellt werden, um auch diejenigen Menschen zu erreichen, die erhöhte Oxytocin-Spiegel aufweisen", fasst Prof. René Hurlemann, Direktor der Abteilung für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Bonn, die Ergebnisse zusammen.

Quelle: n-tv.de

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