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Richard Löwenherz während des dritten Kreuzzuges.
Richard Löwenherz während des dritten Kreuzzuges.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
Donnerstag, 28. Februar 2013

Verehrung eines Volkshelden: Löwenherz wurde einbalsamiert

Schon zu Lebzeiten war er eine schillernde Figur: Der englische König Richard Löwenherz galt als charismatische Persönlichkeit, grausamer Schlächter, Verräter seines Vaters und als erfolgreicher Kreuzritter. Letztere Eigenschaft war es wohl vor allem, die dem berühmten König eine postume Huldigung einbrachte, die eigentlich christlichen Reliquien vorbehalten ist.

Myrte, Kräuterextrakte, Weihrauch, Quecksilber - beim Einbalsamieren des Herzens von Richard Löwenherz (1157-1199) wurde keine Mühe gescheut. Dies ergab eine Untersuchung französischer Wissenschaftler, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlicht wurde. Das Herz von König Richard I. sei mit einer "Ehrfurcht" behandelt worden, die normalerweise christlichen Reliquien vorbehalten sei, sagte Philippe Charlier von der Universitätsklinik Raymond Poincaré in Garches bei Paris.

Charliers Team hatte die Erlaubnis erhalten, mit Hilfe modernster Technik zwei Gramm des zu Staub zerfallenen Herzens des englischen Königs zu analysieren, der vor 800 Jahren bei einer Schlacht in Westfrankreich getötet wurde.

Haltbarkeit durch Quecksilber und Teeröl

"Wir haben Dinge entdeckt, mit denen wir nicht gerechnet hatten", sagte Charlier, einer der weltweit renommiertesten Geschichts-Pathologen. Die mittelalterlichen Einbalsamierer hätten zunächst Quecksilber und Teeröl benutzt, um das Herz haltbar zu machen. Anschließend hätten sie das Organ mit Weihrauch, Extrakten von Margeriten, Pfefferminze und Myrte parfümiert.

Der Gebrauch von Weihrauch sei eindeutig ein Verweis auf Christus, betonte Charlier. "Weihrauch war eines der Geschenke, die die Heiligen Drei Könige zu Jesu Geburt mitbrachten." Außerdem sei es benutzt worden, um die Leiche von Christus haltbar zu machen.

Aufbewahrung in Rouen

Das Herz des englischen Königs wurde nach Charliers Angaben nach der Einbalsamierung in Leinen gewickelt und dann in einem versiegelten Bleigefäß in der Kathedrale von Rouen aufbewahrt. Die normannische Stadt gehörte damals zu England. Das Gefäß wurde 1838 bei Ausgrabungsarbeiten in der Kathedrale gefunden. Auf dem Behälter war eingraviert "HIC IACET COR RICARDI REGIS ANGLORUM" (Hier ruht das Herz von Richard, König der Engländer).

In dem Behälter wurden rund 80 Gramm bräunlich-weißen Staubs gefunden - die Überreste des Herzens. Die Forscher analysierten unter anderem ein Protein, das von einem menschlichen Muskel wie dem Herzen stammt.

Quelle: n-tv.de

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