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Im Hochmoor Mecklenbruch bei Silberborn wurden im Herbst 2012  30.000 Kilogramm Sägespäne verteilt. Sie wirken einem Wasserverlust entgegen.
Im Hochmoor Mecklenbruch bei Silberborn wurden im Herbst 2012 30.000 Kilogramm Sägespäne verteilt. Sie wirken einem Wasserverlust entgegen.(Foto: picture alliance / dpa)

Zu 95 Prozent zerstört: Moore brauchen mehr Schutz

"O schaurig ist's übers Moor zu gehn" … Das war einmal. Die Moore in Deutschland sind fast komplett zerstört. Die wilde Landschaft aus dem Gedicht von Droste-Hülshoff ist Äckern und Weiden gewichen. Das ist schlecht für Tiere und Pflanzen - und verheerend fürs Klima.

Eine Gänseschar zieht ihre Kreise über das Günnemoor. Ein Fuchs läuft über die dichte Schneedecke. Zwischen den vertrockneten Gräsern äsen einige Rehe. Natur pur, könnte man meinen - wären da nicht der Bagger und ein Trekker mit Anhänger, die am Rand des etwa 250 Hektar großen Moors entlangrollen. "Wahrscheinlich müssen die noch einige Löcher auffüllen", sagt Biologe Hans-Gerhard Kulp und zeigt auf einen hohen Erdhaufen in der Nähe.

Bis vor wenigen Monaten wurde im Günnemoor im niedersächsischen Hambergen Torf für Blumenerde abgebaut, jetzt wird es renaturiert. Mehrere Meter Boden hat das Torfwerk über Jahrzehnte abgetragen und damit die Heimat vieler Tiere und Pflanzen in eine Ödnis verwandelt. Seit 2008 muss das Unternehmen die Abbauflächen nach und nach wiedervernässen. Damit kehrt auch langsam das Leben ins Moor zurück. Tausende Kraniche rasten hier jedes Jahr im Herbst auf ihrem Weg in den Süden.

Landwirtschaft zerstört Feuchtgebiete

"Das ist auf alle Fälle eine gute Entwicklung", meint Kulp. Doch bis sich die Natur von dem Kahlschlag erholt hat, wird es noch lange dauern. So wie im Günnemoor sieht es in vielen Mooren in Deutschland aus. "Der Torfabbau ist dabei nur der augenscheinlichste Eingriff. Ein viel größeres Problem ist die Landwirtschaft", sagt der Experte von der Aktion Moorschutz. 95 Prozent der deutschen Moore gelten als zerstört. Der Mensch hat sie trocken gelegt, aufgeforstet, als Äcker und Weiden genutzt. Dadurch gingen nicht nur wertvolle Lebensräume verloren, auch für den Klimaschutz hat das dramatische Folgen.

Moore sind Kohlenstoffsenken. In ihnen lagert nach Angaben der Umweltschutzorganisation Nabu doppelt so viel Kohlendioxid wie in allen Wäldern der Welt. Werden sie zerstört, setzen sie in kurzer Zeit große Mengen CO2 und andere Treibhausgase frei. Bereits in den 1970er Jahren verpflichtete sich Deutschland in einer internationalen Konvention, seine Feuchtgebiete, zu denen auch die Moore gehören, zu bewahren. Der Welttag zum Schutz der Feuchtgebiete am 2. Februar erinnert seit 1997 an dieses Abkommen.

Es fehlt an Geld und Engagement

Große Fortschritte haben Umweltschützer beim Moorschutz trotzdem nicht gesehen. In jüngster Zeit tut sich jedoch etwas - befeuert von der Erkenntnis, welche Rolle die Moore beim Klimawandel spielen. "Momentan ist ein bisschen Schwung drin. Die Anstrengungen in den letzten Jahren reichen aber nicht", sagt der Nabu-Moorexperte Felix Grützmacher. Auch der WWF drängt Bund und Länder zu mehr Engagement, vor allem in finanzieller Hinsicht. "Ein Moor zu renaturieren ist sehr kostspielig", sagt die Naturschutz-Leiterin Diana Pretzell. Die Umweltverbände und lokalen Initiativen könnten das alleine gar nicht stemmen.

Klimazertifikate sollen jetzt den Moorschutz rund um Bremen und im Nordwesten von Niedersachsen voranbringen. "Moorland" heißt das Projekt von BUND und Tourismus-Behörden. Für 20 Euro kann dort jeder symbolisch sein eigenes Stück Moor erwerben, in dem über eine Laufzeit von 20 Jahren eine Tonne Treibhausgase gespeichert wird. 2675 Zertifikate stehen ab Frühjahr zum Verkauf. Sind alle vergeben, werden knapp 230.000 Quadratmeter im Dorumer Moor bei Bremerhaven wiedervernässt. Ähnliche Emissionszertifikate, "Moorfutures" genannt, bieten seit Herbst 2011 Mecklenburg-Vorpommern und seit vergangenem Jahr Brandenburg an.

Nie wieder so wie es mal war

Alle diese Projekte sind auf Jahrzehnte angelegt - zurecht, wie ein Besuch im Hamberger Moor zeigt. Früher haben Bauern dort Torf abgebaut, seit den 80er Jahren ist das aber vorbei. Kulp testet mit einem Fuß den Boden, der leicht nachgibt. "Das ist Schwingrasen. Das ist ein Zeichen, dass ein Moor sich regeneriert." Doch die dichte Schicht aus Torfmoos und Wollgras wächst nur langsam. An vielen Stellen ist sie gesäumt von Birken, die im trockengelegten Moor Fuß fassen konnten. Ihr Schatten und das Laub stören das empfindliche Ökosystem.

So wie das Hamberger Moor vor Jahrhunderten mal war, wird es wohl nie wieder werden. Einen Trost für die Moor-Retter gibt es dennoch: Die Wiedervernässung macht sich zumindest bei der Klimabilanz schnell bemerkbar. "Solange man die Fläche nicht überstaut", sagt Kulps Kollegin Anette Lilje. Denn dann treten zwar kein Kohlendioxid und Lachgas mehr aus, dafür aber viel Methan.

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Quelle: n-tv.de

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