Zu viel Druck in den AdernNeue Hypertonie-Therapie ist umstritten

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, die tödliche Folgen haben kann. Nicht jedem Betroffenen helfen Medikamente. Um den Patienten Schlaganfälle und Herzinfarkte zu ersparen, gehen die Ärzte nun an die Nieren. Doch diese Therapie hilft auch nicht jedem?
Obwohl Bluthochdruck (Hypertonie) weit verbreitet ist, weiß nur die Hälfte der Betroffenen von dem Gesundheitsrisiko. Der Grund dafür ist der schleichende Prozess, mit dem sich Hypertonie entwickelt. Über Jahrzehnte hinweg kann Bluthochdruck ohne Symptome oder nur mit uncharakteristischen Beschwerden bestehen. Erst die gesundheitlich schwerwiegenden Folgen wie Gefäß- und Organschäden, Schlaganfall oder Herzinfarkt machen den erhöhten Druck in den Arterien sichtbar.
Bei einem Großteil der Blutdruck-Patienten helfen die herkömmlichen Therapieformen, wie die Umstellung des Lebensstils und blutdrucksenkende Medikamente. "Bei mehr als zehn Prozent der behandelten Betroffenen jedoch, schlagen diese Therapien gar nicht mehr an", berichtet Professor Eckart Fleck vom Deutschen Herzzentrum in Berlin. Die Gründe für die Resistenzen sind bisher unklar. Für diese Patienten könnte eine neue Therapieform helfen - die renale Symphatikusdenervation.
Fehlerhafte Regulation in den Nieren
Bei dem minimalinvasiven Verfahren kommen die Nieren ins Spiel. Sie sind die Zentralstelle bei der Regulation des Blutdrucks. Mit einem Katheter und hochfrequenten Strom werden Nervenfasern in der Wand der Nierenarterie verödet. "Dadurch wird quasi ein Filter in die Informationsverbindung zwischen Gehirn und Nieren gesetzt und die Fehlregulation behoben", erklärt der Experte. Die Nierenfunktionen bleiben ansonsten vollständig erhalten. Das Verfahren, das 2009 zum ersten Mal publiziert wurde und seit 2010 in zahlreichen Zentren - auch in Deutschland - auf der Versuchsebene eingesetzt wird, steht nun durch die Ergebnisse einer aktuellen Studie aus den USA auf dem Prüfstand.
Durch die US-amerikanische Untersuchung (Symplicity HTN-3) mit insgesamt 535 Patienten konnten nicht die erwarteten Ergebnisse durch die renale Denervation im Vergleich zu einem Scheineingriff gezeigt werden. "Dennoch sollte das Verfahren weder vollständig aufgegeben, noch kopflos angewendet werden", mahnt Fleck. Es gehe vielmehr darum, weiter zu forschen, um besser verstehen zu können, welchen Patienten der Eingriff helfen kann und welchen nicht. Auch die Durchführung des Eingriffs solle nur in zertifizierten Zentren erfolgen, denn nur wenn genügend Nervenenden verödet würden, könne sich auch ein Effekt in Bezug auf den Blutdruck einstellen, betont Fleck.