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Möglicherweise kann die Einnahme von Polyaminen die Gedächtnisleistung im Alter unterstützen.
Möglicherweise kann die Einnahme von Polyaminen die Gedächtnisleistung im Alter unterstützen.(Foto: imago/Medicimage)
Samstag, 29. April 2017

Prävention für Altersdemenz: Polyamine sind vielversprechend

Von Jana Zeh

Jeder zweite Deutsche gibt an, Angst vor Demenz zu haben. Tatsächlich wird es in Zukunft immer mehr Betroffene geben. Gut, wenn man durch bestimmte Nahrungsmittel den geistigen Verfall aufhalten könnte.

Das ist doch jedem schon mal passiert: Man geht los, um etwas zu holen, und weiß schließlich nicht mehr, was es war. Ablenkung oder Unkonzentriertheit könnten Gründe dafür sein. Mit zunehmendem Alter allerdings treten solche Vergesslichkeiten oftmals gehäuft auf und könnten Vorboten einer Demenz sein, an der in Zukunft immer mehr Menschen erkranken werden. Aus diesem Grund haben sich Forscher weltweit auf die Suche nach Präventionsmitteln gemacht und schauen dabei in alle Richtungen.

Polyamine

Polyamine sind kleine organische Verbindungen, die an grundlegenden Zellfunktionen wie der Zellteilung und dem Zellwachstum beteiligt sind. Die Konzentration der körpereigenen Stoffe nimmt mit dem Alter ab. Gleichzeitig nimmt die Anhäufung von verklumpten Proteinen im Gehirn zu.

Polyamine lösen den zellulären Reinigungsprozess, die sogenannte Autophagie, aus und gelten deshalb auch als Hoffnungsträger für den Erhalt der geistigen Gesundheit im Alter. Bei Krebserkrankungen ist die Ausscheidungsrate von Polyaminen besonders hoch.

Ein vielversprechender Ansatz, um kognitive Einschränkungen im Alter aufzuhalten, könnten sogenannte Polyamine sein. Die körpereigenen Stoffe haben einen wichtigen Anteil am Zellstoffwechsel und werden überall dort gebraucht, wo Gewebe sich entwickelt, wächst oder regeneriert. Mit dem Alter nehmen die Polyaminkonzentrationen ab. So werden niedrige Polyaminwerte auch mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz und Abnahme der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht.

Fruchtfliegen hilft es

Bekannt ist aus Untersuchungen, dass sich Fruchtfliegen mit altersbedingtem Erinnerungsverlust wieder besser erinnern konnten, nachdem sie mit polyaminreicher Nahrung gefüttert wurden. In einem nächsten Schritt wollte ein Forscherteam um Professor Agnes Flöel, Direktorin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Greifswald, wissen, ob sich diese Effekte auch auf den Menschen übertragen lassen.

Dafür bekamen ältere Probanden, deren Gedächtnis aus eigener Einschätzung nachgelassen hatte, über einen Zeitraum von drei Monaten Polyamine in Kapselform. Die Kontrollgruppe hingegen erhielt ein Placebo. "Es zeigten sich erste Hinweise, dass die Polyamingabe zu einer Verbesserung der Gedächtnisleistung bei den Studienteilnehmern führte und das bei guter Verträglichkeit", erklärte Flöel am Rande der Wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung in Leipzig in einem Gespräch mit n-tv.de.

Probanden gesucht

Um die Ergebnisse auf den wissenschaftlichen Prüfstein zu stellen, läuft derzeit eine weitere Untersuchung mit wesentlich mehr Studienteilnehmern, die über einen Zeitraum von zwölf Monaten polyaminreiche Nahrungsergänzung bekommen. Für die Studie, die den Namen "SmartAge" trägt und an der Berliner Charité durchgeführt wird, werden noch Probanden gesucht, die im Alter zwischen 60 und 90 Jahren sind und unter einer subjektiv empfundenen Gedächtnisverschlechterung leiden. Nähere Auskünfte bekommen Interessierte unter der Telefonnummer: 030/450 660 395.

Auch wenn die bisherigen Erkenntnisse noch nicht für eine allgemeine Nahrungsempfehlung ausreichen, spricht für gesunde Menschen nichts dagegen, die Wirkung von polyaminreichen Nahrungsmitteln auf ihr Gedächtnis und das individuelle Lernvermögen selbst auszuprobieren. "Weizenkeime und Produkte aus fermentiertem Soja enthalten relativ hohen Polyaminkonzentrationen", so Flöel.

Quelle: n-tv.de

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