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Stress kann helfenPubertät macht Lernen schwerer

19.03.2010, 09:38 Uhr

Ausgerechnet in der Zeit des Schulabschlusses fällt Heranwachsenden nachweislich das Lernen schwerer als davor. Der Grund sind die Veränderungen im Hippocampus. Dieser Teil im Gehirn ist in der Pubertät weniger erregbar.

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Jugendliche begutachten an einer Berufsschule einen alten Automotor. (Foto: picture alliance / dpa)

Mit dem Beginn der Pubertät ist die optimale Zeit für das Lernen vorbei. Schuld daran sind US-Forschern zufolge unter anderem Veränderungen im Hippocampus des Gehirns, die dessen Erregbarkeit bremsen und die Lern- und Gedächtnisleistung der Heranwachsenden verringern. Zumindest bei Mäusen lässt sich die pubertäre Lernschwäche mit Hilfe eines Stresshormons allerdings aufheben, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Science". Der Hippocampus (Seepferdchen) ist eine evolutionär sehr alte Hirnstruktur, die an Lern- und Gedächtnisvorgängen maßgeblich beteiligt ist.

In ihren Versuchen zeigten Sheryl Smith von der State University New York und ihre Mitarbeiter, dass mit Beginn der Pubertät im Hippocampus ein bestimmter Rezeptortyp, genannt GABAA, vermehrt gebildet wird. Die Bildung dieses Rezeptortyps beeinträchtige dann einen Lernvorgang, die sogenannte Langzeit-Potenzierung im Hippocampus. Bei diesem Vorgang werden gewöhnlich die Signalübertragungen zwischen Nervenzellen eine Zeit lang verstärkt und somit neue Gedächtnisinhalte gespeichert.

Rückschlüsse für das Alter

Als Folge der Gehirnveränderungen schnitten pubertierende Mäuse in einem Lerntest deutlich schlechter ab als vorpubertäre Artgenossen. Verabreichten die Wissenschaftler den Versuchstieren allerdings das Stresshormon THP (Allopregnanolon), lernten die Mäuse in der Pubertät genauso gut wie zuvor. Bei Tieren vor oder nach der Pubertät hatte das Hormon genau den gegenteiligen Effekt ihre Lernleistung ließ unter THP-Einfluss deutlich nach. Dieses Ergebnis deckt sich mit der bisherigen Erkenntnis, dass THP für die verringerte Lern- und Gedächtnisleistung im höheren Alter verantwortlich ist.

"Unsere Untersuchungen zeigen, dass spezifische Gehirnmechanismen das Lernen während der Pubertät verändern, und dass leichter Stress womöglich das nachlassende Lernvermögen im Teenagealter umkehren kann", fasst Smith in einer Pressemitteilung der State University New York die Ergebnisse zusammen. Denkbar sei, dass Heranwachsende in der Schule spezielle Lern- und Motivationsstrategien benötigten. Zudem läge es im Bereich des Möglichen, ein Medikament zu entwickeln, dass das Lernvermögen verbessert, vor allem für Heranwachsende mit einer Lernschwäche.

Quelle: dpa