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Der Riss in Larsen C ist enorm angewachsen. (Aufnahme vom November 2016)
Der Riss in Larsen C ist enorm angewachsen. (Aufnahme vom November 2016)(Foto: REUTERS)
Freitag, 02. Juni 2017

Zeitpunkt des Kalbens nahe: Riesen-Eisberg in Antarktis kurz vor Abbruch

Ein spektakuläres Ereignis, das sich seit einiger Zeit ankündigt, rückt näher: Der Riss im Larsen-C-Schelfeis ist enorm gewachsen. Nur noch wenige Kilometer fehlen, dann entsteht ein gigantischer Eisberg - einer der größten, der jemals dokumentiert wurde.

Der Riss im Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis ist in den letzten Tagen um 17 Kilometer gewachsen; es fehlen nun nur noch 13 Kilometer bis zum kompletten Abbruch. Das weist darauf hin, dass das Kalben eines Eisbergs, also das Abbrechen einer größeren Eismasse, wahrscheinlich sehr nahe ist. Das haben Forscher der Swansea University in Wales nach dem Studium der neuesten Satellitendaten herausgefunden.

Larsen-Schelfeis

Ein langgezogenes Eisschelf im nordwestlichen Teil des Weddell-Meeres, das an der Nordwestküste der Antarktis liegt. Benannt wurde es nach dem norwegischen Kapitän Carl Anton Larsen, der 1893 mit der "Jason" an dem Schelfeis entlangsegelte.

Das Larsen-Schelfeis besteht aus vier einzelnen Eisschelfen: Larsen A, B, C und D (von Nord nach Süd). Larsen A ist der kleinste, Larsen C der größte dieser Eisschelfe.

Die Gletscherspalte in Larsen C wird wahrscheinlich zu einem der größten Eisberge führen, die jemals aufgenommen wurden - er wäre etwa 5000 Quadratkilometer groß. Der Vorgang wird von Forschern aus dem britischen Projekt "Midas" unter der Leitung der Swansea University überwacht. Professor Adrian Luckman vom Swansea University College of Science, Leiter des Projektes, beschreibt die neuesten Erkenntnisse so: "Im größeren Sprung seit Januar ist der Riss im Larsen-C-Schelfeis zwischen dem 25. und dem 31. Mai 2017 um weitere 17 Kilometer gewachsen." Dadurch würde einer der größten jemals dokumentierten Eisberge entstehen. "Die Rissspitze scheint sich auch deutlich in Richtung der Eisfront gedreht zu haben, was darauf hinweist, dass die Zeit des Kalbens wahrscheinlich sehr nahe ist", so Luckman weiter. Der Eisberg wäre so groß wie ein Viertel von Wales.

Zehn Prozent Verlust

Larsen C ist etwa 350 Meter dick, schwimmt am Rande der Westantarktis auf dem Meer und hält den Fluss der Gletscher zurück, die das Schelfeis immer weiter nähren. Wenn er kalbt, wird er etwa zehn Prozent seines Eises verlieren. Die Loslösung des Eisbergs dürfte keine wesentlichen Auswirkungen auf den Meeresspiegel haben, weil er bereits im Meer schwimmt. Allerdings würde ein vollständiges Abdriften des Schelfeisgebiets Larsen C den Berechnungen der Forscher zufolge zu einem Ansteigen des Meeresspiegels von schätzungsweise zehn Zentimetern führen.

Das Midas-Projekt werde weiterhin die Entwicklung des Risses überwachen und seine laufenden Auswirkungen auf das Schelfeis beurteilen, so Luckman. Updates dazu finde man auf dem Blog projectmidas.org und auf dem Twitter-Feed des Projektes.

Sie hätten keine Beweise, um das Wachstum dieses Risses und das eventuelle Kalben mit dem Klimawandel zu verknüpfen, so die Forscher. Allerdings sei es weithin akzeptiert, dass die Erwärmung des Ozeans und der Temperaturen zum frühen Zerfall von Schelfeis auf der Antarktischen Halbinsel beigetragen habe, vor allem bei Larsen A (1995) und Larsen B (2002).

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Quelle: n-tv.de

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