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Die Suppenschildkröte ist in Madagaskar vom Aussterben bedroht.
Die Suppenschildkröte ist in Madagaskar vom Aussterben bedroht.(Foto: picture-alliance/ dpa)

In Madagaskar bedroht : Schildkröten landen im Kochtopf

In Madagaskar leiden 70 Prozent der Bevölkerung an Unterernährung. Da wundert es nicht, dass die Inseleinwohner froh sind, etwas auf dem Teller zu haben, auch wenn das vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten sind.

In Madagaskar landen jährlich bis zu 16.000 seltene oder vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten im Kochtopf der bitterarmen Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis komme eine Studie des Zentrums für Ökologie und Arterhaltung der englischen Universität Exeter und der britischen Naturschutzorganisation Blue Ventures Conservation. In der untersuchten Region mit zwölf Küstendörfern im Südwesten nahe der Stadt Tulear seien in einem Zeitraum von zwölf Monaten nachgewiesenermaßen 699 Schildkröten gefangen worden, berichten die Forscher im Journal "Animal Conservation".

Die Biologin Annette Broderick von der Universität Exeter betonte, dass es angesichts der Not im Lande keinen Sinn mache, vor allem mit Verboten und Strafen gegen das illegale Fangen der Schildkröten vorzugehen. In einem Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung an Unterernährung leide, sei Schildkrötenfleisch eine wichtige Ernährungsgrundlage. Den Menschen müssten erschwingliche Alternativen geboten werden. Dann wäre es möglich, die Bewohner aktiv in den Schutz der sieben stark bedrohten Meeresschildkrötenarten einzubeziehen.

Alarmierende Zahlen

Die Forscher bezahlten Einheimische aus jedem der untersuchten Dörfer, damit sie gefangene Schildkröten fotografierten und dokumentieren. Die 699 dokumentierten Fänge gehörten zu vier Schildkrötenarten, darunter vor allem die bedrohten Suppenschildkröten. Hochgerechnet kommen die Forscher auf 10.000 bis 16.000 gefangene Schildkröten allein im Südwesten Madagaskars. "Natürlich können wir nicht sicher sein, dass jede gefangene Schildkröte gemeldet wurde, daher sehen wir diese Zahlen als konservative Schätzung”, erläuterte Frances Humber von Blue Ventures Conservation.

Die Zahlen seien alarmierend, dennoch sollte Madagaskar nicht an den Pranger gestellt werden, betonte Humber. "Wir würden ähnliche Fangzahlen in vielen Entwicklungsländern der Tropen erwarten, daher ist dies kein isoliertes Problem, aber natürlich ein Grund zur Besorgnis”, erläuterte die Forscherin. Möglicherweise könne dieselbe Studienmethodik auch andernorts eingesetzt werden, um eine bessere Vorstellung von der Größenordnung des Problems zu bekommen. Ohne genauere Details sei es schwierig, nachhaltige Lösungen zu finden. "Offensichtlich hat das Verbot der Schildkrötenfischerei nicht funktioniert. Also müssen wir mit den Dorfgemeinschaften zusammenarbeiten, um nachhaltige Praktiken zu fördern."

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Quelle: n-tv.de

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