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Zwei tote Tsetse-Fliegen als Kunstwerk mit dem Titel "Sleeping Sickness" (Schlafkrankheit) auf der documenta (13) in Kassel.
Zwei tote Tsetse-Fliegen als Kunstwerk mit dem Titel "Sleeping Sickness" (Schlafkrankheit) auf der documenta (13) in Kassel.(Foto: picture alliance / dpa)

Übertragungswege weiterhin unklar: Schlafkrankheit bleibt mysteriös

Die Schlafkrankheit, die vor allem in Afrika Menschen das Leben kostet, ist für Wissenschaftler noch immer ein Rätsel. Klar ist bisher, dass Parasiten die Krankheit auslösen, die vorher von Tsetse-Fliegen übertragen worden. Forscher gehen nun neue Wege und nehmen Wildtiere in den Fokus. Auch diese könnten im Zusammenhang mit der Übertragung der gefährlichen Krankheitserreger stehen.

Infizierte Tiere könnten bei der Verbreitung der Schlafkrankheit eine wichtige Rolle spielen. Das berichtet ein internationales Forscherteam um Sebastian Funk von der amerikanischen Princeton University im Online-Journal "PLoS Computational Biology". Projekte zur Kontrolle der Krankheit sollten nicht nur auf Menschen abzielen, sondern auch auf Wildtiere, schreiben sie.

Die Schlafkrankheit, auch Humane Afrikanische Trypanosomiasis genannt, wird durch Parasiten ausgelöst und durch Tsetse-Fliegen übertragen. Ihr Name stammt von Symptomen, wenn die Erreger das zentrale Nervensystem erreicht haben. Dann fallen Patienten unter anderem durch Schlafstörungen oder Apathie auf. Unbehandelt endet die Krankheit tödlich.

Die Schlafkrankheit tritt in Afrika südlich der Sahara auf. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Parasit Trypanosoma brucei gambiense für 95 Prozent der Fälle verantwortlich. Im Jahr 2009 sank die Zahl der gemeldeten Erkrankungen erstmals seit 50 Jahren unter 10.000. Die Krankheit kann jedoch in bestimmten Regionen wieder aufflammen, auch wenn dort jahrelang kein Mensch erkrankte. Zwar hatten Studien gezeigt, dass auch Tiere sich infizieren können, schreiben die Forscher. Doch bislang ging man davon aus, dass die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Wildtiere haben eine Schlüsselrolle

Die Forscher analysierten nun Daten aus der Region Bipindi in Kamerun: Von November 1998 bis Februar 1999 traten dort 44 Fälle auf. In den folgenden Jahren wurden Blutproben verschiedene Tiere auf den Erreger untersucht sowie die Verbreitung von Tsetse-Fliegen und deren Vorlieben für bestimmte Tierarten. Die Forscher spielten dann verschiedene Szenarien am Computer durch. Die Simulationen ergaben nicht nur, dass die Krankheit sich in Regionen halten kann, auch wenn keine Menschen erkranken. Der Befall von Wildtieren sei für die Übertragung des Erregers wichtig, betonen die Wissenschaftler.

"Diese Studie deutet darauf hin, dass zur Kontrolle der Krankheit allein das Abzielen auf Menschen, die gegenwärtige Hauptstrategie, nicht genügt", sagt Sebastian Funk der Zeitschrift. Der Fortbestand des Erregers in Wildtier-Populationen könne erklären, warum die Schlafkrankheit bei Menschen in einer Region wiederauftreten könne, auch wenn dort jahrelang niemand mehr erkrankt sei.

Quelle: n-tv.de

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