Samstag, 18. Juli 2009
Gefährlich für das ungeborene Kind: Schwangerschaftsdiabetes
Die Vorsorge während der Schwangerschaft ist in Deutschland lückenlos; zunächst einmal im Monat und dann ab der 32. Woche alle 14 Tage steht ein Termin im Mutterpass. Trotzdem kann es passieren, dass ein Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) nicht erkannt wird, weil bei der Schwangeren keine auffälligen Symptome auftreten. Ärztliche Fachgesellschaften fordern schon seit langem, dass bei allen werdenden Müttern zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Glukosebelastungstest durchgeführt wird, denn der obligatorische Zuckertest aus dem Urin ist nicht immer zuverlässig.
Neben einer regelmäßigen Kontrolle reicht bei Schwangerschaftsdiabetes oft eine Ernährungsumstellung.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
In der Fachzeitschrift "Diabetes Care" berichten nun australische Forscher, dass durch systematische Blutzuckerkontrollen während der Schwangerschaft der Anteil der Komplikationen von vier auf ein Prozent sinkt. In den Industrienationen entwickeln etwa fünf Prozent der Schwangeren einen Schwangerschaftsdiabetes. Experten schätzen aber, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Zwar verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt in aller Regel von selbst, aber insbesondere für das ungeborene Kind kann es ohne Behandlung sehr gefährlich werden.
Durch den überhöhten Blutzuckerspiegel der Mutter gelangt zu viel Traubenzucker über Plazenta und Nabelschnur in den kindlichen Kreislauf und regt dort die Insulinproduktion an. In der Folge nehmen die Kindeszellen zu viel Traubenzucker auf und das Kind nimmt stark an Gewicht zu. Das ist aber keinesfalls ein Zeichen der guten Entwicklung, vielmehr geht das übermäßige Wachstum mit einer verzögerten Reife und Entwicklung des Kindes einher. Aber auch die Schwangere erleidet Schäden durch den überhöhten Blutzuckerspiegel. So kann es zu Harnwegs- und Nierenbeckenentzündungen und zu erhöhtem Blutdruck kommen.
Wird ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert, reicht es in den meisten Fällen aus, wenn die Schwangere neben der regelmäßigen Kontrolle der Blutzuckerwert ihr Ernährungsverhalten umstellt. Günstig wirkt sich beispielsweise der Konsum von mehr Vollkornprodukten aus, weil diese verhältnismäßig langsam die Kohlenhydrate zu Traubenzucker umsetzen. Der Blutzuckerspiegel steigt nach den Mahlzeiten nicht so stark und die Zellen haben mehr Zeit, den Traubenzucker aufzunehmen. Manchmal müssen auch Medikamente genommen werden, nur selten ist die Gabe von Insulin notwendig. Auf jeden Fall wird der Arzt den Stoffwechsel der Schwangeren individuell einstellen und in der Regel wird auch die Hilfe einer Diätberaterin in Anspruch genommen.
dpa
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