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Für die Genesung wichtig: Gut ausgebildete Krankenschwestern, die Zeit für Patienten haben.
Für die Genesung wichtig: Gut ausgebildete Krankenschwestern, die Zeit für Patienten haben.(Foto: picture alliance / dpa)

Vermeidbarer Tod in Krankenhäusern: Schwesternausbildung beeinflusst Sterberate

Ausbildung und Arbeitsbelastung von Krankenschwestern haben deutliche Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle nach OPs. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie. Deutschland nimmt zwar nicht teil, beschämt aber dennoch.

Je mehr Schwestern mit einem Universitätsabschluss in einem Krankenhaus arbeiten, desto besser sind die Patienten dort aufgehoben: Nach gängigen Operationen sterben dort deutlich weniger Patienten als in Krankenhäusern mit weniger gut ausgebildeten Krankenschwestern. Das berichtet ein internationales Forscherteam nach der Auswertung von Daten aus 300 Krankenhäusern in neun europäischen Ländern im Fachblatt "The Lancet". Auch die Zahl der von einer einzelnen Schwester betreuten Patienten beeinflusst der Studie zufolge die Sterberate in den Kliniken.

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Die Forscher um Linda Aiken hatten Angaben von mehr als 420.000 Patienten ausgewertet, die für einen chirurgischen Eingriff im Krankenhaus waren, etwa für einen Knie- oder Hüftersatz, für eine Blinddarmoperation oder einen gefäßchirurgischen Eingriff. Die Sterberaten waren grundsätzlich niedrig: Sie lagen im Schnitt zwischen 1 und 1,5 Prozent in den untersuchten Ländern. Allerdings gab es teils extreme Schwankungen zwischen einzelnen Kliniken eines Landes.

Die untersuchten Länder waren Belgien, England, Finnland, Irland, Norwegen, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Niederlande. Deutschland gehörte nicht dazu, weil die Wissenschaftler keine Angaben zur Sterberate in den Kliniken bekommen konnten, berichtet die Erstautorin Linda Aiken von der University of Pennsylvania School of Nursing (Philadelphia/US-Staat Pennsylvania).

Erschreckendes Ergebnis

Die Wissenschaftler verknüpften die Sterberaten mit der Ausbildung der Krankenschwestern und ihrer Arbeitsbelastung. Dabei berücksichtigten sie das individuelle Sterberisiko der Patienten, das unter anderem durch Alter, Geschlecht, Art des Eingriffes und zugrundeliegende Erkrankungen beeinflusst wird. Zudem bezogen sie Angaben zu den jeweiligen Krankenhäusern in ihre Analysen ein, zum Beispiel die technische Ausstattung der Klinik.

Ein Ergebnis: Mit jedem Patienten, den eine Krankenschwester mehr betreuen muss, steigt das Risiko eines Patienten, innerhalb von 30 Tagen nach der Einlieferung zu sterben, um sieben Prozent. Das Sterberisiko sinkt hingegen um sieben Prozent, wenn der Anteil von Krankenschwestern mit einem Hochschulabschluss um zehn Prozent steigt.

Negativbeispiel Deutschland

Die Ergebnisse der Studie seien auch für Deutschland hochrelevant, sagt Linda Aiken. Eine frühere Untersuchung in 49 deutschen Kliniken habe gezeigt, dass keine Krankenschwester einen Hochschulabschluss besitze. Deutschland sei damit im Vergleich zu anderen europäischen und anderen entwickelten Ländern ein echter Ausreißer. Zudem kämen in Deutschland auf jede Krankenschwester mehr Patienten als in den meisten anderen Ländern. Diese Studie wurde 2013 im "International Journal of Nursing Studies" veröffentlicht.

"Die Daten der aktuellen Studien überraschen uns nicht", sagt Franz Wagner, Geschäftsführer des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). "Wir glauben, dass es einen vergleichbaren Trend auch in Deutschland gibt." Durch die demografische Entwicklung würden heute an das Personal im Krankenhaus ganz andere Anforderungen gestellt. Die vielen chronisch kranken Patienten bräuchten eine intensivere Betreuung und eine Beratung für den Umgang mit ihrer Erkrankung. Akademisch ausgebildete Krankenschwestern seien eher in der Lage, Komplikationen oder auch Strukturfehler in der Betreuung zu erkennen.

In Deutschland werden Krankenpfleger in der Regel an Berufsfachschulen oder Krankenpflegeschulen ausgebildet. Eine rein universitäre Ausbildung gibt es bisher nicht. Auf Modellebene gibt es zurzeit in Kooperationen mit einigen Hochschulen duale Ausbildungsgänge.

Quelle: n-tv.de

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