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Hirnschäden durch Höhenflug: Spionage-Piloten droht Taucherkrankheit

Der im Cockpit von Aufklärungsflugzeugen herrschende Unterdruck kann schwerwiegende Hirnschäden bei Piloten verursachen. Kleine Blutgefäße verstopfen oder werden verletzt.

Spionageflugzeuge sind in großer Höhe unterwegs: Ein Aufklärungsflieger des Typs U-2 über den Wolken.
Spionageflugzeuge sind in großer Höhe unterwegs: Ein Aufklärungsflieger des Typs U-2 über den Wolken.(Foto: picture-alliance / dpa)

Piloten von US-Spionageflugzeugen haben ein drastisch erhöhtes Risiko für Hirnschäden. Wie eine Studie unter Beteiligung der US-Luftwaffe  zeigt, haben viele regelmäßig in großer Höhe fliegende Flugkapitäne ausgedehnte Verletzungen im ganzen Gehirn. Die Forscher erklären dies im Fachblatt "Neurology" mit dem im Cockpit herrschenden Unterdruck. Dies verursacht bei Piloten ähnliche Probleme wie bei Tauchern, die zu schnell an die Wasseroberfläche aufsteigen und so einem deutlichen Druckabfall ausgesetzt sind.

Die Neurologen um Stephen McGuire von der University of Texas in San Antonio untersuchten 102 Piloten von U2-Spionageflugzeugen und 91 vergleichbare Menschen per Magnetresonanztomographie (MRT). Die U2-Aufklärer sind in Höhen über 21.000 Metern unterwegs, der Kabinendruck entspricht etwa 9000 Metern Höhe.

Verwirrtheit und Erinnerungsverlust

Anlass für die Studie war das gehäufte Auftreten der Dekompressions- oder Taucherkrankheit nach Aufklärungsflügen. "Das Risiko für die Dekompressionskrankheit hat sich bei Luftwaffenpiloten seit 2006 verdreifacht, wahrscheinlich als Folge häufigerer und längerer Einsätze", sagt McGuire. Symptome sind etwa verlangsamte Denkprozesse, Verwirrtheit oder dauerhafter Erinnerungsverlust.

Das spiegelten die MRT-Scans wider. Im Vergleich zu den anderen Teilnehmern hatten Piloten dreimal mehr Hirnläsionen, die Fläche der geschädigten Areale war sogar um das Vierfache größer. Zudem waren die Läsionen über das ganze Gehirn verteilt und nicht nur, wie bei der Kontrollgruppe, auf die weiße Substanz im Stirnlappen. Schäden fanden die Mediziner auch bei jenen Piloten, die nie über Symptome der Dekompressionskrankheit geklagt hatten.

Die Forscher erklären dies damit, dass infolge des Unterdrucks kleine Blutgefäße verstopft oder verletzt sein könnten - etwa durch Gasblasen, Mikroteilchen oder eine beschleunigte Blutgerinnung. Ähnliche Schäden könne man bei Höhenbergsteigern oder Berufstauchern finden, glaubt McGuire.

Quelle: n-tv.de

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