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Im Pasewalker Kirchenforst sind die längst verschollen geglaubten Tunnelteile wieder aufgetaucht.
Im Pasewalker Kirchenforst sind die längst verschollen geglaubten Tunnelteile wieder aufgetaucht.(Foto: dpa)

Fundsache, Nr. 1169: Spionagetunnel aus Kaltem Krieg

Sie sehen aus wie die großen Abwasserrohre einer Kanalisation. In Wahrheit sind es Teile eines Spionagetunnels, der genutzt wurde um Telefongespräche der sowjetischen Machthaber in Ostberlin abzuhören – bis der Tunnel aufflog.

Tonnenschwere Teile eines Spionagetunnels erzählen im Berliner Alliiertenmuseum demnächst ein Stück deutsch-deutscher Geschichte. Die bis knapp fünf Meter langen Stahlröhren wurden aus einem Waldstück bei Pasewalk in Vorpommern geborgen.

"Wir mussten die insgesamt fünf Tunnelstücke erst richtig freischaufeln und haben sie dann per Bagger zum Hauptweg im Wald gebracht", beschrieb Bergungsleiter Joachim Eckert die Arbeiten bei Frost und teils heftigem Schneetreiben.

Nur zwei Jahre in Betrieb

Das Museum hat großes Interesse an den alten Röhren mit einem Durchmesser von 1,90 Meter. "Sie sollen nach Berlin-Tempelhof gebracht werden, um später ausgestellt zu werden", erläutert Museumssprecherin Cecilia Reible. Der von den westlichen Alliierten zum Abhören von Telefonaten der sowjetischen Machthaber genutzte Tunnel war 1954 gebaut worden.

"Durch einen Doppelagenten wusste die Sowjetunion sehr früh von dem Tunnel, ließ ihn aber erst 1956 auffliegen", sagte die Sprecherin. Rund eine halbe Million Gespräche konnten die Amerikaner und Briten von Westberlin aus mithören.

Lange Zeit verschollen

Nach der Enttarnung war der Tunnel auf Ostberliner Seite abgebaut worden. Lange blieb unklar, wo die Tunnelteile geblieben waren. Auf der Westseite blieben die Röhren liegen und kamen später ins Museum. Zufällig entdeckte ein militärinteressierter Einheimischer im vergangenen Sommer im Pasewalker Kirchenforst die verschollenen Teile aus dem Osten, was Historiker als Sensation werteten. "Inzwischen wissen wir, dass die DDR-Volksarmee solche Tunnelteile zu Übungszwecken verwendete", erläuterte Reible.

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Quelle: n-tv.de

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