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Orange sind hier die Regionen, in denen sowohl gegen Masern als auch gegen Meningokokken selten geimpft wird.
Orange sind hier die Regionen, in denen sowohl gegen Masern als auch gegen Meningokokken selten geimpft wird.(Foto: Versorgungsatlas.de)
Mittwoch, 05. Juli 2017

Wohlhabende Landkreise: Süden Bayerns ist von Impfgegnern geprägt

Dass in Berlin einige Kinder nicht gegen Masern geimpft sind, hört man immer wieder. Dennoch ist die Hauptstadt nicht die Region mit besonders niedrigen Impfquoten in Deutschland. Einer Studie zufolge geht Impfskepsis mit Wohlstand einher.

Durch den Süden von Bayern und Baden Württemberg zieht sich eine zusammenhängende Region, die von Impfskepsis geprägt ist. Dort sind Kinder sowohl gegen Masern als auch gegen Meningokokken, die Erreger von Hirnhautentzündung, schlechter geschützt als in anderen Teilen Deutschlands. Das zeigt eine Studie des Wissenschaftlerteams vom Versorgungsatlas. Auffallend ist auch, dass diese Gebiete wirtschaftlich wohlhabender sind als andere Regionen.

In den bayerischen Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und Rosenheim erhalten der Studie zufolge nur 36 bis 42 Prozent der Kinder die erforderlichen zwei Impfungen gegen Masern im empfohlenen Zeitraum. Auch in zwei Landkreisen von Baden-Württemberg, in Ravensburg und Freiburg, liegen die Quoten deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Ähnlich verhält es sich bei den Impfungen gegen Meningokokken.

Die Analysen der Wissenschaftler zeigen einen Zusammenhang zwischen der Masern- und der Meningokokken-Impfquote auf Kreisebene: Je niedriger die Quote für die eine Impfung ist, desto niedriger ist sie auch für die andere. Im Süden Bayerns und Baden-Württembergs gibt es eine größere zusammenhängende Region, in der die Impfquoten beider Impfungen deutlich niedriger sind als im übrigen Deutschland. Ausgenommen von diesem Effekt ist lediglich der Großraum München.

Wohlhabende Eltern häufiger impfskeptisch

Ballungsräume mit hohen Impfquoten fanden die Forscher vermehrt im Norden und in der Mitte Deutschlands. Sie überprüften dann, ob sich die markanten Gebiete noch in anderen Punkten unterscheiden, und entdeckten ein Muster: In Regionen mit hohem Haushaltseinkommen, geringer Arbeitslosenquote und geringer gesundheitlicher Belastung liegt die Impfquote niedriger.

Dies korrespondiert mit einer negativen Einstellung von Eltern und auch Ärzten gegenüber Impfungen etwa in Südbayern. Es könnte darauf hinweisen, folgern die Forscher, dass gerade in besser gestellten sozialen Milieus die individuelle Auseinandersetzung mit der Impfung des Kindes eine hohe Bedeutung hat. "Warum dies aber eher zu einer impfkritischen Haltung als zur Befolgung der Impfempfehlungen führt, sollte zur Verbesserung des Impfschutzes in diesen Regionen genauer analysiert werden", fordern die Wissenschaftler.

Quelle: n-tv.de

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