Mittwoch, 18. August 2010
Desensibilisierung hilft: Erfolg bei Erdnuss-Allergie
Bisher sind Lebensmittelallergien nicht behandelbar. Wissenschaftlern an der Berliner Charité gelingt es nun, Jugendliche, die unter einer Erdnuss-Allergie leiden, zu desensibiliseren. Die Therapie schlug aber nicht bei allen Probanden an.
Für Allergiker kann der Verzehr von Erdnüssen lebensbedrohlich sein.
(Foto: S.Hainz / pixelio.de )
Schon Spuren von Erdnüssen können für Allergiker lebensgefährlich sein. Forscher der Berliner Charité haben nun jedoch eine Möglichkeit gefunden, den Betroffenen zu helfen: Unter strenger medizinischer Aufsicht wurden in einer Pilotstudie Kinder und Jugendliche desensibilisiert, indem sie winzige Erdnussmengen schluckten, berichtet das Forscherteam um Kirsten Beyer von der Klinik für Pädiatrie am Virchow-Klinikum der Charité.
Dazu wurden 23 jungen Allergikern zwischen drei und 14 Jahren über sieben Monate hinweg kleinste Erdnuss-Mengen verabreicht, die im Zwei-Wochen-Rhythmus und unter strenger ärztlicher Aufsicht in der Allergieambulanz gesteigert wurden. Ziel war es, die Dosis von zehn Milligramm auf 500 Milligramm hochzuschrauben: Das entspricht etwa einer ganzen Erdnuss.
Schutz vor versehentlichem Verzehr
Nach sieben Monaten erreichten 14 Kinder (60 Prozent) eine Toleranz gegenüber dieser Menge, die sie nun täglich zu sich nehmen. Vier Kinder stiegen aus persönlichen Gründen aus der Studie aus, vier wegen Nebenwirkungen, und ein Kind sprach nur teilweise auf die Therapie an. "Wenn Allergiker eine kleine Menge Erdnüsse tolerieren können, sind sie wesentlich besser vor einem allergischen Schock bei versehentlichem Genuss geschützt", betont Mitautorin Katharina Blümchen.
Nahrungsmittelallergien sind bislang nicht behandelbar, und die entsprechenden Lebensmittel müssen strikt gemieden werden. Für Erdnussallergiker ist das jedoch besonders schwierig, da in vielen Nahrungsmitteln Spuren von Erdnüssen enthalten, aber nicht deklariert sind. Das kann zu schweren, manchmal sogar tödlichen Reaktionen führen.
Derzeit forschen die Ärzte mit größeren Patientengruppen weiter, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis zu klären sowie die Fragen, warum die Therapie nicht bei allen Kindern anschlägt und ob die Höchstdosis ein Leben lang täglich genommen werden muss. Die Ergebnisse der Pilotstudie sind in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Allergy and Clinical Immunology" veröffentlicht.
dpa
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