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Die Zahl Afrikanischer Geier ist in den letzten 30 Jahren rund um die Hälfte gesunken.
Die Zahl Afrikanischer Geier ist in den letzten 30 Jahren rund um die Hälfte gesunken.(Foto: Peter Chadwick - WWF)

Wilderei, Giftköder, Klimawandel: WWF: So viele Arten gefährdet wie nie

Auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen mehr Pflanzen und Tiere denn je. Dazu gehören Elefanten, Nashörner und Flughunde. Inzwischen verschwinden ganze Ökosysteme, warnen Umweltschützer. Zum Glück geht es einigen Arten auch wieder besser.

Die Welt wird Naturschützern zufolge immer ärmer an Tier- und Pflanzenarten. Mehr als 23.000 Spezies gelten zum Jahreswechsel als bedroht, wie die Umweltstiftung WWF bilanzierte. Nie zuvor habe die Rote Liste gefährdeter Arten mehr Einträge verbucht. "Tiere und Pflanzen, sogar ganze Ökosysteme verschwinden, dabei ist jede Art einmalig und ein Wert an sich", erklärte WWF-Vorstand Eberhard Brandes. Die Menschheit verursache "nicht nur das größte Artensterben seit Ende der Dinosaurier, sondern verspielt zugleich auf Kosten nachfolgender Generationen leichtfertig ihre Lebensgrundlage".

Für Riesenfrösche in Südamerika war es kein gutes Jahr.
Für Riesenfrösche in Südamerika war es kein gutes Jahr.(Foto: Arturo Munoz Saravia - WWF)

Als Ursachen nennt die Organisation Wilderei, Raubbau, Ressourcen-Gier und den Klimawandel. Wilderer etwa rückten in Afrika Wildtieren zu Leibe: Elefanten und Nashörner seien dort 2015 zu Hunderten und Tausenden abgeschossen worden. Auf Mauritius trifft es laut WWF Tausende Maskaren-Flughunde: Behörden sprachen sich für deren Tötung aus, wegen angeblicher Schäden durch Flughunde beim Obstanbau.

Mit Wilderei verbunden sehen die Umwelt-Experten auch den Rückgang bei der Zahl Afrikanischer Geier. Diese sank um die Hälfte seit Mitte der 80er Jahre. Da die kreisenden Vögel Rangern anzeigen, wo Wilderer zugange sind, würden Kadaver vergiftet - und damit auch die Vögel.

Ähnlich wie bei Trophäen werden auch manche Pflanzen illegal gehandelt: Seltene Orchideen aus den asiatischen Tropen stuft der WWF als begehrtes Schmuggelgut ein. Die Folge: Alle der mehr als 80 Frauenschuh-Arten stünden seit diesem Jahr auf der Roten Liste.

Ganze Art wegen Umweltsünden vor Ausrottung

Eine der größten Froscharten der Welt könnte aussterben. Laut WWF kam es im südamerikanischen Titicacasee wegen der ungefilterten Einleitung von Abwässern zu einem Massensterben. Der Titicaca-Riesenfrosch kommt nur dort vor. Die Frösche sind bis zu einem Kilo schwer.

Über 30 Wolfsrudel soll es in Deutschland geben. Diese hier gehören zu einem Rudel in Russland.
Über 30 Wolfsrudel soll es in Deutschland geben. Diese hier gehören zu einem Rudel in Russland.(Foto: Sergey Gorshkov - WWF)

Eine verheerende Seuche dezimierte außerdem den Bestand an Saiga-Antilopen in Kasachstan: Dort sind dem WWF zufolge im Frühjahr bis zu 85.000 Exemplare verendet. Experten nehmen angesichts des Ausmaßes an, dass auch Umweltfaktoren eine Rolle spielten.

Lichtblicke gab es laut WWF dafür bei ganz seltenen Tieren: Die Population des Iberischen Luchses etwa habe sich wieder auf mehr als 300 Exemplare erhöht. Dank eines Schutzgebiets nahe Wladiwostok in Russland gebe es inzwischen auch wieder rund 70 Amur-Leoparden. Ein gute Nachricht gibt es auch vom Großen Panda: Dessen Population sei in den vergangenen Jahren wieder auf mehr als 1860 Tiere angewachsen.

Mehr Wolfsrudel in Deutschland unterwegs

In Deutschland werten die Tierschützer die Rückkehr der einst ausgerotteten Wölfe als Erfolg - und zugleich als Herausforderung. Seit Mitte des Jahres wurden demnach hierzulande 32 Wolfs-Rudel gezählt, fünf mehr als 2014. Verbesserungsbedarf sieht der WWF allerdings in einigen Regionen beim Wolfs-Management der Bundesländer, damit Konflikte - etwa mit Tierhaltern - vermieden werden können.

Von enormer Bedeutung ist laut WWF zudem der Kampf gegen die Erderwärmung. Denn der Klimawandel habe das Potenzial, zu einem globalen Arten-Killer zu werden: Vor allem hoch spezialisierte Arten wie der Schneeleopard oder auch der Eisbär litten unter den Veränderungen ihrer Ökosysteme.

Andere Arten wie beispielsweise Schwertwale profitieren hingegen von der Erwärmung: So dringen Orcas laut WWF wegen des ausbleibenden Meereises immer weiter in arktische Gewässer vor und verändern das dortige empfindliche Jäger-Beute-Gefüge. Zudem trägt der Klimawandel demnach dazu bei, dass auch die Ostsee zunehmend unter Quallen-Plagen leidet. Auch die als lästig empfundenen oder gar gefährlichen Tiere profitierten von den Veränderungen der marinen Ökosysteme.

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Quelle: n-tv.de

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