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Fossile Funde von urzeitlichen Säugetieren sind äußerst selten.
Fossile Funde von urzeitlichen Säugetieren sind äußerst selten.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Zahnschmelz gibt Auskunft: Was Raubtiere einst jagten

Raubtiere aus der Urzeit haben Lebensraum und Beutetiere unter sich aufgeteilt. Zu dieser erstaunlichen Erkenntnis kommen US-amerikanische Wissenschaftler. Damit lässt sich auch erklären, warum unterschiedliche Raubtiere vor zehn Millionen Jahren koexistieren konnten.

Aus dem Zahnschmelz fossiler Raubtierzähne haben Forscher herausgelesen, was die Tiere vor Millionen Jahren gefressen haben. Aber nicht nur das: Das Team fand im Zahnschmelz auch Hinweise auf den Lebensraum und die Lebensweise der Räuber. So konnten unterschiedliche Raubtiere zum Beispiel deshalb koexistieren, weil sie den Lebensraum und die Beutetiere untereinander aufteilten. Das berichten die Wissenschaftler in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Soledad Domingo von der University of Michigan und ihre Mitarbeiter hatten Fossilien aus einer Fundstätte in Spanien untersucht. Es handelte sich um eine große Zahl fleischfressender Säugetiere. Sie lebten im späten Miozän, vor etwa zehn Millionen Jahren.

Untersuchungen an seltenen Fossilen

Funde von fleischfressenden Säugetieren seien deshalb so wertvoll, weil sie für gewöhnlich sehr selten sind, schreiben die Forscher. Das liege daran, dass die Räuber am oberen Ende der Nahrungskette stehen und deshalb schon zu Lebzeiten insgesamt in geringer Zahl vorkommen. Und weil die Funde so selten sind, verbieten sich normalerweise Untersuchungen, bei denen die Fossilien zerstört werden.

Genau so eine Untersuchung durften die Wissenschaftler nun aber doch vornehmen: Sie bestimmten die Menge des C-13-Kohlenstoffisotops in insgesamt 69 Zähnen. Die C-13 Signatur verrät, welche Pflanzen Pflanzenfresser gefressenen haben und dann, in einem zweiten Schritt, welche Pflanzenfresser die Raubtiere gejagt haben.

27 der untersuchten Zähne gehörten zu drei Arten von Raubtieren, die restlichen 42 zu acht verschiedenen Pflanzenfressern. Eines der Raubtiere war Promegantereon ogygia, ein Säbelzahntiger von der Größe eines Leoparden. Eine zweite Säbelzahntigerart, Machairodus aphanistus, war etwa so groß wie ein Tiger. Das dritte Raubtier (Magericyon anceps) gehörte zu den sogenannten Amphicyonidae. Diese Tiere werden auch Bärenhunde genannt, weil ihr Körperbau Merkmale von Bären und Hunden vereint. Magericyon anceps hatte die Größe eines Tigers.

Waldiges Ökosystem

Die Isotopenanalyse zeigte nun, dass die Räuber in einem waldigen Ökosystem gelebt hatten, das stellenweise von etwas offeneren Graslandschaften durchbrochen war. Die beiden Säbelzahntiger jagten der Untersuchung zufolge beide eher im dichteren Wald. Vermutlich nutzte die kleinere Art die Bäume, um sich vor der größeren Art zu verstecken und so direkte Auseinandersetzung zu vermeiden. Beide fraßen mehr oder weniger die gleichen Beutetiere, etwa Pferde der Gattung Hipparion oder bestimmte Arten von Schweinen. Vermutlich jagte der kleinere Säbelzahntiger kleinere Arten von Beutetieren als der größere.

Der Bärenhund jagte hingegen eher in den offeneren Bereichen des Ökosystems, berichten die Wissenschaftler weiter. So vermied er Konkurrenz mit dem etwa gleich großen Säbelzahntiger M. aphanistus. Vermutlich gehörten Antilopen zu seinen Beutetieren. Ihre Untersuchung belege, wie wertvoll die Analyse stabiler Isotope sei, um das Verhalten und die Ökologie von ausgestorbenen Raubtieren zu untersuchen, schreiben die Forscher.

Quelle: n-tv.de

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