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Die Mehrzahl der Erwachsenen in Deutschland kann Milch vertragen.
Die Mehrzahl der Erwachsenen in Deutschland kann Milch vertragen.

Übelkeit, Blähungen, Kopfschmerzen: Wenn Milch müde macht

von Jana Zeh

Auch wenn Laktoseintoleranz keine Krankheit ist, kann sie erheblich zur Minderung der Lebensqualität beitragen - vor allem, wenn sie viele Jahre nicht erkannt wird. Der Enzymmangel, der Milchzucker unverdaubar macht, ist in den meisten Regionen auf der Welt jedoch normal.

Die Beschwerden sind unspezifisch. Übelkeit, Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle gehören zu den häufigsten Beschwerden der Laktoseintoleranz. Aber auch unspezifische Körperreaktionen wie Schweißausbrüche, Schwindel, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten lassen sich auf diese spezielle Nahrungsmittelunverträglichkeit zurückführen.

In Deutschland sind rund 15 bis 20 Prozent aller erwachsenen Menschen von einer Laktoseintoleranz betroffen. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie selbst laktoseintolerant sind, weil sie die Symptome nicht in Verbindung mit ihrer Ernährung bringen. Denn Beschwerden können unmittelbar oder aber erst einige Stunden nach dem Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel auftreten.

Laktoseintoleranz ist keine Krankheit

Laktoseintoleranz ist keine Erkrankung im herkömmlichen Sinne, sondern ein erblich bedingter Enzymmangel. Menschen mit Laktoseintoleranz fehlt das Enzym Laktase, das für die Aufspaltung von Milchzucker zuständig ist.

Die Stärke der Symptome hängt von der Schwere des Laktasemangels einerseits, aber auch von der Menge der aufgenommenen Laktose ab. Je weniger Laktase zu Verfügung steht und je mehr Laktose aufgenommen wird, umso stärker sind auch die Leiden. "Die meisten Diagnosen werden im jungen Erwachsenenalter zwischen 15 und 30 Jahren und meistens bei Frauen gestellt", erklärt Prof. Mathias Strowski, Leiter der Gastroenterologischen Funktionsdiagnostik der Charité in Berlin und fügt hinzu, dass wahrscheinlich genauso viele Männer wie Frauen vom speziellen Enzymmangel betroffen seien, aber Frauen wesentlich bewusster mit ihrem Körper umgingen.

Asiaten vertragen keine Milch

Milch für ein Kleinkind in Japan. Der Großteil der Lebensmittel in Japan ist laktosefrei.
Milch für ein Kleinkind in Japan. Der Großteil der Lebensmittel in Japan ist laktosefrei.(Foto: picture alliance / dpa)

Alle gesunden neugeborenen Säugetiere bilden während der Stillzeit Laktase, um die Muttermilch verdauen zu können. Die Laktasebildung geht mit der Entwöhnung von der Muttermilch allmählich zurück. Die genetische Veränderung, die dazu führt, dass Laktase bis ins Erwachsenenalter gebildet wird, kann vor allem in Bevölkerungsgruppen mit einer langjährigen Milchwirtschaft nachgewiesen werden. Forscher können beweisen, dass sich vor allem in Europa, in Nordamerika und auf dem heutigen Gebiet von Russland im Laufe der vergangenen 1500 Jahren diese Mutation durchsetzen konnte. Nur in diesen Gebieten wird heute der Laktasemangel als Laktoseintoleranz bezeichnet.

Im Rest der Welt kann die Mehrzahl der erwachsenen Bevölkerung keinen Milchzucker aufspalten. In großen Teilen von Asien, Lateinamerika und Afrika können 80 bis 90 Prozent aller Erwachsenen keine Milch und Milchprodukte vertragen. Hier ist dies der Normalzustand. Oftmals stehen Milch und Milchprodukte in diesen Regionen gar nicht auf dem Speiseplan.

Erworbene und angeborene Laktoseintoleranz

Die Gründe für eine Laktoseintoleranz sind verschieden. Die erworbene Laktoseintoleranz ist die häufigste Form. Sie kann durch verschiedene Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wie Darmentzündungen, Bakterien oder Pilzinfektionen ausgelöst, aber auch auf die normale Rückbildung der Laktase im Erwachsenenalter zurückgeführt werden. "Wird Laktoseintoleranz durch eine Erkrankung hervorgerufen, die durch Medikamente behandelt werden kann, dann verschwindet sie in der Regel auch wieder", erklärt Strowski. Ist sie durch die Rückbildung von Laktase bedingt, dann bleibt sie ein Leben lang. Sie kann dann weder behandelt noch kann ihr vorgebeugt werden. Nur der Ausschluss von Laktose im Speiseplan hilft, die Beschwerden zu vermeiden.

Menschen mit Laktoseintoleranz müssen beim Einkauf die Listen der Inhaltsstoffe aufmerksam lesen.
Menschen mit Laktoseintoleranz müssen beim Einkauf die Listen der Inhaltsstoffe aufmerksam lesen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bei einer angeborenen Laktoseintoleranz ist die Laktasebildung bereits im Säuglingsalter sehr eingeschränkt oder gar nicht vorhanden. Diese vererbte Stoffwechselkrankheit kommt relativ selten vor. Wird sie, trotz starker Symptome wie schwerer Durchfall, Austrocknung und Unterernährung, nicht rechtzeitig erkannt, kann diese Form der Laktoseintoleranz zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen und sogar zu schweren Gehirnschäden führen. Bei rechtzeitiger Behandlung durch die konsequente Umstellung auf laktosefreie Ernährung können auch diese Kinder gesund heranwachsen.

Laktose vermeiden

Menschen, die unter ihrer Laktoseintoleranz leiden, müssen ihren Speiseplan auf laktosefrei bzw. laktosearm umstellen. "Dafür sollten sie unbedingt eine professionelle Ernährungsberatung in Anspruch nehmen", rät Strowski, "da es sonst zu einem Kalzium- und Vitamin-D-Mangel kommen kann." Wichtig ist, dass Betroffene lernen, die Listen von Inhaltsstoffen auf den Lebensmitteln genau zu lesen und auf Wörter wie Laktose, Milchzucker, Milchpulver oder Trockenmilch zu achten.

Laktose hat die Eigenschaft, Wasser zu binden. Aus diesem Grund wird sie vielen Produkten zugesetzt. Sie ist unter anderem in Gewürzmischungen, Abführmitteln und in mancher Anti-Baby-Pille versteckt. Seit 2005 sind Hersteller durch die Vorschriften zur Kennzeichnung allergieauslösender Lebensmittelbestandteile verpflichtet, auch Laktose auf den Verpackungen auszuweisen. Lediglich lose Waren wie Wurst vom Fleischer oder Brot vom Bäcker sind von dieser Kennzeichnungspflicht ausgenommen.

Im lange gereiften Parmesan sind nur noch 0,06 Gramm Laktose pro 100 Gramm Käse.
Im lange gereiften Parmesan sind nur noch 0,06 Gramm Laktose pro 100 Gramm Käse.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nicht in jedem Milchprodukt steckt Laktose. Viele Käsesorten beispielsweise sind laktosefrei, denn während der Käse reift, zersetzt sich der Milchzucker. Je länger ein Käse gereift ist, umso weniger Laktose ist also in ihm. Frischkäse dagegen enthält noch viel Laktose. Viele Hersteller bieten bereits laktosefreie Milchprodukte und andere Nahrungsmittel an und kennzeichnen diese auch besonders.

Nicht verwechseln

Die Laktoseintoleranz ist lediglich ein Enzymmangel und sollte nicht mit einer Milchallergie verwechselt werden. Bei einer Milchallergie, meistens einer Kuhmilchallergie, reagiert das Immunsystem des Körpers mit entsprechend heftigen Abwehrreaktionen auf das Eiweiß der Milch. Trinken Kuhmilchallergiker ein Glas Milch, kann es zu Juckreiz, Anschwellen der Zunge oder auch zu Atemnot kommen. Im schlimmsten Fall reagiert der Körper mit einem allergischen Schock, der sogar zum Tod führen kann. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit kann das nicht passieren.

Quelle: n-tv.de

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