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Rendezvous von Venus und Jupiter: Wenn Planeten zu Ufos werden

von Fabian Maysenhölder

Heutzutage ist am Himmel so viel los wie nie zuvor: Weltraumschrott, Skybeamer vor Diskotheken, chinesische Himmelslaternen. Sein persönliches Ufo kann man sich darunter fast schon frei auswählen. Der Ufo-Jäger Werner Walter klärt verdutzte Himmelsbeobachter auf - und verweist auf ein astronomisches Ereignis, das schon jetzt für Ufo-Meldungen sorgt.

Vom 11. bis zum 13. März 2012 thronen Venus (rechts) und Jupiter gemeinsam am Himmel.
Vom 11. bis zum 13. März 2012 thronen Venus (rechts) und Jupiter gemeinsam am Himmel.(Foto: Sven Lueke)

Am 6. März macht Herr Berger (Name von der Redaktion geändert) eine merkwürdige Beobachtung. Es ist kurz nach 19 Uhr, er ist gerade unterwegs zu einem Hausbesuch bei einem Patienten. Plötzlich sieht Herr Berger in weiter Ferne zwei leicht versetzte Lichter, die über der Fahrbahn schweben und vor ihm dahinziehen. Er ist verwundert, hält auf einem Parkplatz und beobachtet. Die Objekte scheinen nun still zu stehen. Sie blinken nicht und geben keinen Laut von sich – auch wenn es nach Landescheinwerfern von einem Flugzeug aussieht, ein normales Flugzeug kann es nicht sein. Herr Berger fährt verwundert zu seinem Termin.

Auf der Rückfahrt beobachtet Berger wieder diese merkwürdigen Lichterscheinungen, diesmal nicht vor ihm auf der Fahrbahn, sondern hinter ihm. Als er zu Hause ankommt, sucht er erneut nach den Objekten. Sie sind plötzlich verschwunden.

Die Ufo-Meldestelle weiß Bescheid

Am nächsten Morgen ruft Herr Berger bei Werner Walter an und erklärt, er habe ein "unidentifiziertes Flugobjekt" gesehen – ein Ufo. Ufos sind Alltag für Walter, der die bundesweite Ufo-Hotline betreibt. Die meisten Flugsicherungseinrichtungen und die ESA haben seine Nummer auf dem Schwarzen Brett. Wenn dort Anrufe eingehen, die von merkwürdigen Himmelsphänomenen berichten, werden sie an Walter weitergeleitet.

Berger wurde Zeuge einer bestimmten astronomischen Konstellation, die sich derzeit anbahnt. In der Nacht vom 11. März – und in den Folgenächten – wandern die beiden Planeten Venus und Jupiter sehr nah aneinander vorbei. Es ist ein Fest für Astronomie-Interessierte, die wissen, was da vor sich geht. Und auch für Ufo-Fanatiker und Laien, die nicht wissen, was am Himmel passiert. Sie landen schließlich in Walters Leitung. "Ausgerechnet im 'Weltuntergangsjahr 2012' kommt es zu diesem knüppeldicken doppelten Himmelslottchen", sagt Walter n-tv.de.

Schon jetzt nähern sich die Planeten am Nachthimmel langsam an. Vom 11. bis zum 13 März trohnen sie dann nah beieinander am Nachthimmel über Deutschland, um sich schließlich wieder voneinander zu entfernen. Zu beobachten ist das Phänomen in Deutschland in den Abendstunden bis circa 21 Uhr für diejenigen, die bei klarem Wetter den Blick gen Westen richten.

Ein Viertel der Phänomene sind außerirdisch

Simulation der Jupiter-Venus Konstellation am 11.März.
Simulation der Jupiter-Venus Konstellation am 11.März.(Foto: Werner Walter)

Ein ungewöhnliches Himmelsereignis wie dieses sorgt für glühende Leitungen in Walters Ufo-Meldestelle. "Die Menschen wollen wissen, was am Himmel vor sich geht", erklärt er. Und der Mannheimer hat es sich zur Aufgabe gemacht, es Ihnen mitzuteilen. Seit nunmehr 35 Jahren. Dabei gibt es heutzutage keine Fälle mehr, die er nicht aufklären könnte. Manchmal dauere es eine Weile, aber Walter ist sich sicher: "Inzwischen kenne ich alle möglichen Auslöser für Ufo-Sichtungen, sodass nichts mehr ungeklärt bleibt." Über seine erste Ufo-Sichtung und seinen spektakulärsten Fall berichtet er im "Es gibt keinen ungelösten Fall" .

20-25 Prozent aller Ufo-Sichtungen, die Walter aufklärt, haben dabei tatsächlich einen außerirdischen Ursprung, erklärt der Ufologe: "Ob es besonders helle Meteore sind, die wir Boliden nennen, oder besonders helle Sterne und Planeten." Wer über solche Phänomene nicht Bescheid weiß, schaut verwundert in den Himmel. "Die häufigste Ursache für Ufo-Sichtungen sind aber die sogenannten chinesischen Himmelslaternen", erzählt Walter. Im Prinzip kennt sie jeder. Auf großen Feiern, Hochzeiten, werden die Lampions in den Nachthimmel entlassen. Für Unbeteiligte kann das schon mal nach einer Außerirdischen-Invasion aussehen.

Ein weiteres Ufo: Die sogenannten Skytracker, die heutzutage von vielen Diskotheken eingesetzt werden. Walter: "Wenn das Wetter gut ist und die Luft kein Medium wie Staubpartikel oder Feuchtigkeit bietet, dann sieht man die Projektion einfach nur als kreisende Lichtscheiben am Himmel." Der Lichtkanal zur Erde fehle dann. Und so wirkt, was irdisch ist, wahrhaft außerirdisch.

Kosmische Nachbarn werden zu Ufos

Die Venus ist der Planet, der am häufigsten für ein Ufo gehalten wird – das liegt schlicht daran, dass die Venus von der Erde aus gesehen der hellste aller Planeten ist. Zu Spitzenzeiten kann die Venus so hell werden, dass sie leichte Schatten auf der Erde wirft. Nur der Mond und die Sonne sind dann heller.

Aber warum leuchtet gerade die Venus so gespenstisch hell am Nachthimmel? Die Nasa klärt in ihrem Wissenschaftsblog auf: Die Atmosphäre des irdischen Nachbarn, der nur geringfügig kleiner als die Erde selbst, ist vollgestopft mit Wolken. Diese Wolken reflektieren fast das gesamte Sonnenlicht, das auf den Planeten trifft. Und aus diesem Grund hat die Venus, wie auch der Mond, Phasen. Diese hängen davon ab, wie genau die Venus zwischen Erde und Sonne positioniert ist - steht sie etwa genau zwischen Sonne und Erde, ist sie für uns unsichtbar, da kein Licht Richtung Erde reflektiert wird. Diesen Zustand nennt man "Neuvenus". Ufo-Meldungen provoziert sie dann sicherlich keine.

"Am Himmel ist heute so viel los wie nie zuvor", sagt Werner Walter. Satelliten, Weltraumschrott, Meteore – die Ufos gehen dem Jäger nicht so schnell aus. Dennoch: Das Interesse an den unbekannten Flugobjekten ist abgeflacht, seine besten Zeiten hat die Ufo-Branche längst hinter sich. Marsmenschen und Fliegende Untertassen sind heutzutage vor allem eines: Stoff für Science-Fiction Filme.

Werner Walter trennt deshalb ganz klar zwischen dem Glauben an Außerirdische und dem Glauben daran, dass sie mit ihren Fluggeräten regelmäßig die Erde besuchen. "An Außerirdische kann man glauben", sagt Walter. "Wissen ist etwas anderes." Er ist überzeugt: Sollten fremde Lebensformen tatsächlich irgendwann auf die Erde kommen, bräuchte es keinen Ufo-Jäger, um dies zu klären. "Das bekommen wir dann schon mit."

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Quelle: n-tv.de

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