Von wegen kugelrundWie der Mond zur Zitrone wurde

Die Form des Mondes gibt Rätsel auf. Denn er ist keineswegs so rund, wie er aussieht. Forscher warten nun mit einer neuen Theorie auf, die die "zitronenartige" Gestalt des Erdtrabanten erklären soll. Dazu gehen sie über vier Milliarden Jahre in die Vergangenheit.
Der Mond ist nicht einfach nur eine Kugel - auch wenn man t das als Betrachter von der Erde aus meinen könnte. Über die merkwürdige Form des Mondes haben sich Forscher schon längere Zeit Gedanken gemacht. Eine neue Studie der University of California in Santa Cruz, die im Fachblatt "Nature" veröffentlicht wurde, will Licht in das Dunkel bringen. Die Forscher zeigen, dass die meisten Fragen über die Gestalt des Mondes erklärt werden können, wenn man die Gezeitenkräfte in Betracht zieht, die die junge Erde auf ihren Trabanten zu Beginn seiner Entstehung ausübte. Die meisten Forscher nehmen heute an, dass der Mond vor rund 4,4 Milliarden Jahren durch den Zusammenstoß der Erde mit einem anderen etwa marsgroßen Himmelskörper entstand.
Als der - damals extrem heiße - Mond schließlich vor über vier Milliarden Jahren abkühlte und erstarrte, formten Graviations- und Rotationskräfte den Trabanten. Diese Kräfte führten gemeinsam zu einer Art Zitronen-Form, bei der die lange Achse der Zitrone zur Erde hin zeige, erklärt Ian Garrick-Bethell von der University of California in Santa Cruz. Die Interaktion mit der Erde sorgte auch dafür, dass der Mond seine Achse leicht verlagerte.
"Bei der Erde, dem Mars und bei anderen Körpern wissen wir, dass die Form hauptsächlich von den Rotationskräften herrührt", sagte Garrick-Bethell dem britischen Sender BBC. "Wenn man einen Wasserballon nimmt und anfängt, ihn schnell zu drehen, dann wird er sich am Äquator ausbeulen. Bei der Erde ist das ähnlich." Dieser Effekt aber erkläre nicht die verzerrte Form unseres Mondes, so der Forscher weiter. "Er dreht sich ziemlich langsam. Und er ist weit weg von der Erde. Heutige Gezeitenkräfte können also nicht dafür verantwortlich sein."
Kurz nach dem Crash, der unseren Trabanten hervorbrachte, rotierte der Mond noch viel schneller - und er war näher bei der Erde. Die Kräfte, die auf ihn einwirkten, waren deshalb um ein Vielfaches höher. "Zu der Zeit, als der Mond noch richtig heiß war, gab es eine Vielzahl von Dingen, die seine Form beeinflussen und verändern konnten", so Garrick-Bethell.