Montag, 16. August 2010
Tests an Mäusen nicht aussagekräftig: Wie eine Nickelallergie entsteht
In Europa leiden etwa 65 Millionen Menschen unter einer Nickelallergie - ausgelöst durch Schmuck, Piercings oder Münzen. Forscher finden nun heraus, was bei der allergischen Reaktion genau passiert. Dabei stellen sie fest, dass ihnen die Tests an Mäusen wenig geholfen haben.
Häufig wird die Allergie durch nickelhaltigen Schmuck oder Piercings ausgelöst.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Wer einmal eine Nickelallergie hatte, wird die hässlichen, juckenden Stellen kaum wieder vergessen. Mannheimer Forscher haben nun herausgefunden, wie diese Reaktion entsteht. Demnach aktiviert das Metall im Körper einen Zellrezeptor, der normalerweise am Aufspüren von Bakterien und anderen Krankheitserregern beteiligt ist.
Die Aktivierung des Rezeptors löst eine ganze Signal-Kaskade aus. Dies hat eine Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen zur Folge – und das wiederum die typischen allergischen Symptome. Das berichten die Forscher um Matthias Goebeler vom Universitätsklinik Mannheim im Journal "Nature Immunology".
Auslöser: Schmuck oder Münzen
Allein in Europa leiden etwa 65 Millionen Menschen unter einer Nickelallergie, schreibt das Team. Sie wird häufig von nickelhaltigem Modeschmuck, Piercings oder auch Münzen ausgelöst. Bei Allergikern kommt es nach einem Kontakt mit dem Metall an der betroffenen Stelle zu juckenden Rötungen und Schwellungen der Haut, teils bilden sich Bläschen oder nässende Stellen.
Das Team zeigt jetzt, dass Nickel den Rezeptor TLR-4 (Toll-like receptor) aktiviert. Bei Mäusen, die ebenfalls einen TLR-4-Rezeptor besitzen, kommt es hingegen nicht zu dieser Entzündungsreaktion. Dies liege daran, dass beim menschlichen TLR-4 zwei Aminosäuren verändert sind, berichten die Forscher weiter. Diese erlauben die Aktivierung durch Nickel. Wurden diese beiden Aminosäuren mutiert, reagierte der Rezeptor zwar noch auf seinen natürlichen Bindungspartner – das sind Lipopolysaccharide – aber nicht mehr auf Nickel.
Tierversuche möglicherweise nicht hilfreich
Möglicherweise ließe sich mit diesem Wissen eine Behandlungsstrategie entwickeln, bei der nur die unerwünschte Reaktion auf Nickel unterbunden und die natürliche Funktion des Rezeptors nicht beeinträchtigt wird.
Aufgrund der beobachteten Unterschiede zwischen dem menschlichem TLR-4 und dem der Maus weisen sie darauf hin, dass das Testen potenziell schädlicher Chemikalien an Tieren möglicherweise nicht aussagekräftig ist, wenn es darum geht, ihre Wirkung auf den Menschen zu beurteilen.
dpa
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