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Lebensmittelproben in einem Labor des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt.
Lebensmittelproben in einem Labor des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt.(Foto: dpa)

Grillen, Salat, Streichelzoo: Wie schütze ich mich vor EHEC?

von Hubertus Volmer

EHEC-Erreger können über Wochen in der Umwelt überleben. Die Wissenschaftler suchen derzeit also nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Grundsätzlich gilt: Rohe tierische Lebensmittel sollten nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten, die roh verzehrt werden. Beim Grillen sollte man zwei Zangen benutzen. Wer bereits unter schwerem Durchfall leidet, sollte zum Arzt gehen. Und die Finger von Antibiotika lassen.

Was bedeutet EHEC überhaupt?

Die Abkürzung EHEC steht für Enterohämorrhagische Escherichia coli. Das sind - wie der Name schon sagt - E.coli-Bakterien, die bei jedem Menschen Teil der Darmflora sind. Enterohämorrhagische E.coli gehören zu den Sorten der E.coli-Bakterien, die Durchfallerkrankungen auslösen können.

Was ist das hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS)?

HUS ist eine potenziell lebensgefährliche Komplikation bei einer EHEC-Infektion. Diese Krankheit wird dann ausgelöst, wenn EHEC-Bakterien ein spezielles Gift produzieren, ein sogenanntes Vero-Toxin namens Stx 2. Ohne dieses Vero-Toxin sind EHEC-Stämme nicht weiter gefährlich.

Was ist die Quelle der Infektionen?

Grundsätzlich gelten Wiederkäuer als Quelle von EHEC-Erkrankungen, also etwa Kühe, Schafe und Ziegen, aber auch Rotwild. Tiere sind häufig Träger von EHEC, ohne selbst daran zu erkranken. Was genau die Quelle des aktuellen Ausbruchs ist, wird noch untersucht.

Wie steckt man sich an?

Die Ansteckung erfolgt "fäkal-oral", das heißt, die Erreger müssen über den Mund aufgenommen werden. Das kann passieren, wenn Kinder im Streichelzoo oder auf einem Bauernhof sind und sich die Finger in den Mund stecken. Das kann auch passieren, wenn man Gemüse isst, das auf dem Feld mit Gülle gedüngt wurde, oder indem man in einem See badet, in den Gülle geflossen ist. Die Menge der Keime, die für eine Ansteckung ausreicht, ist sehr gering. Allerdings wies das Bundesinstitut für Risikobewertung erst im Januar 2011 darauf hin, dass EHEC-Ausbrüche durch pflanzliche Lebensmittel in Deutschland bisher nicht bekannt geworden seien. Möglich ist natürlich auch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch.

Gülle könnte die Quelle für die EHEC-Erkrankungen sein - bestätigt ist das allerdings nicht.
Gülle könnte die Quelle für die EHEC-Erkrankungen sein - bestätigt ist das allerdings nicht.(Foto: dpa)

Was ist mit Rohmilch und rohem Fleisch?

Rohmilch, Rohmilchkäse und rohe Fleischprodukte wie Mettwurst stehen ebenfalls unter Verdacht, wobei das Robert-Koch-Institut betont, dass es bisher keine Hinweise darauf gibt, dass rohes Fleisch oder Rohmilch die Ursache des aktuellen Ausbruchs darstellen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt, diese Lebensmittel "können an fast allen Stellen der Produktionskette bis hin zum Verbraucher mit EHEC kontaminiert werden". Zudem können die Erreger über Wochen in der Umwelt überleben. Die Wissenschaftler suchen derzeit also nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.

Wo treten die meisten Fälle auf?

Der Ausbruch begann offenbar in Norddeutschland. Mittlerweile gibt es aber auch Fälle in Ost- und Süddeutschland.

Was sind die Symptome?

EHEC-Infektionen können vollständig ohne Symptome ablaufen. Häufigstes Symptom ist zunächst wässriger, dann blutiger Durchfall, dazu Übelkeit, Erbrechen, manchmal Fieber. Nach der Ansteckung dauert es im Schnitt drei bis vier Tage, bis der Durchfall auftritt.

Wer ist vor allem betroffen?

Normalerweise eher Kinder, derzeit eher Erwachsene. Genau dies gibt den Wissenschaftlern Rätsel auf. Im Jahr 2010 etwa wurden dem Robert-Koch-Institut 65 HUS-Fälle gemeldet, nur 6 Erkrankte waren älter als 18 Jahre. Neu ist auch die große Zahl der Erkrankungen binnen kurzer Zeit. Kurz gesagt: Im Vergleich mit anderen Erkrankungen ist EHEC unspektakulär. Sorge bereitet den Wissenschaftlern die Tatsache, dass eine bekannte Krankheit unbekannte Verläufe nimmt. Unter den Erwachsenen liegt der Schwerpunkt auf Frauen. "Die Frauen bereiten häufiger Lebensmittel zu, und da können sie sich möglicherweise bei der Reinigung des Gemüses oder anderer Lebensmittel infizieren", spekuliert der Epidemiologe Gérard Krause vom Robert-Koch-Institut.

Die Wissenschaftler suchen nach der Nadel im Heuhaufen.
Die Wissenschaftler suchen nach der Nadel im Heuhaufen.(Foto: dapd)

Wie gefährlich ist HUS?

HUS ist, so das Robert-Koch-Institut, "charakterisiert durch akutes Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einen Mangel an Blutplättchen". 2010 registrierte das Robert-Koch-Institut zwei Todesfälle. Beim jüngsten Ausbruch wurde bis Dienstagvormittag (24. Mai) ein Todesfall nachgewiesen.

Was tun, wenn man die Symptome bemerkt?

Wer länger als drei Tage Durchfall hat, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen. Wenn die Erkrankung so stark ist, dass man sich ungewöhnlich krank fühlt, sollte man schon vorher einen Arzt aufsuchen. Gleiches gilt für Patienten mit vorgeschädigten Nieren. Keinesfalls sollte man sich selbst mit Antibiotika behandeln, denn wenn die Bakterien durch ein Antibiotikum zerfallen, werden zusätzlich Gifte freigesetzt. Die Folge ist das hämolytisch-urämische Syndrom. Die Krankheit ist meldepflichtig - wenn ein Arzt einen Patienten mit EHEC-Verdacht hat, muss er dies dem örtlichen Gesundheitsamt mitteilen. Wer bereits erkrankt ist, sollte seinen Arzt fragen, wie er seine Familie vor Ansteckung schützen kann - zusätzlich zur Seife kann dann eine alkoholische Desinfektion notwendig sein.

Wie schützt man sich?

Lebensmittel sollten nach der jüngsten Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung für 2 Minuten auf mindestens 70 Grad erhitzt werden. Das gilt auch für Tiefkühlkost, denn EHEC-Bakterien können Frost überleben. Ansonsten gelten die üblichen Hygieneregeln: Rohe tierische Lebensmittel wie Fleisch, Rohmilch und Eier dürfen nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten, die roh verzehrt werden. Wer also Eier aufschlägt, sollte sich die Hände waschen, bevor er den Salat zubereitet. Lappen und Trockentücher, die in der Küche verwendet werden, sollten täglich gewechselt werden.

Bislang hat niemand zum Salatverzicht aufgerufen.
Bislang hat niemand zum Salatverzicht aufgerufen.(Foto: dpa)

Apropos Salat - kann man jetzt noch gefahrlos ungekochtes Gemüse und rohes Obst essen?

Normalerweise würde jetzt die alte Regel "cook it, peel it, or forget it" gelten - koch es, schäl es oder vergiss es. Derzeit raten die Institute allerdings nur, Salat und Obst gründlich zu waschen. Zum Rohkostverzicht hat noch niemand aufgerufen. Wer sich sehr große Sorgen mache und jedes Risiko ausschließen möchte, müsse auf rohes Obst und Gemüse verzichten, bis die Infektionsquelle lokalisiert sei, sagt die Sprecherin des Bundesinstituts für Risikobewertung, Suzan Fiack, die zugleich betont, dass das Institut dies nicht empfehle, da die Ursache noch nicht gefunden wurde. "Das ist eine klassische Risikoabwägung, denn natürlich sind Obst und Gemüse wichtige Bausteine im Ernährungsplan."

Darf man jetzt noch grillen?

Ja, nur ein paar Regeln sollte man beachten. Das rohe Fleisch sollte separat gelagert werden. Außerdem sollte für die bereits gegrillten Stücke eine andere Zange benutzt werden. Wie auch sonst beim Kochen gilt: Küchengeräte, die Kontakt mit rohen tierischen Lebensmitteln hatten, sollten gleich in die Spülmaschine gestellt bzw. abgewaschen werden.

Quelle: n-tv.de

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