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Weltweit gibt es rund 2.500 verschiedene Blattlausarten.
Weltweit gibt es rund 2.500 verschiedene Blattlausarten.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Junge und alte Tiere in erster Reihe: Wie sich Blattläuse verteidigen

Blattläuse sind bei Gärtnern und Pflanzenliebhabern nicht willkommen. Aber auch in der Natur haben die Winzlinge viele Feinde. Aus diesem Grund haben sich einige Arten besondere Verteidigungs-Strategien zugelegt. So werden bei manchen Arten vor allem junge, aber auch alte Tiere in die Gefahrenzone geschickt. Die fortpflanzungsfähigen Tiere mittleren Alters bleiben in Sicherheit.

Einige Blattläuse haben besonders ausgetüftelte soziale Verteidigungs-Strategien. Wird die Art Quadrartus yoshinomiyai angegriffen, so stehen vor allem die Jungen und Alten an vorderster Front zur Abwehr bereit. Fruchtbare Tiere mittleren Alters flüchten hingegen aus der Gefahrenzone, berichten Forscher um Keigo Uematsu von der britischen Universität Cambridge. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Verteidigungs-System dazu dient, die Reproduktivität der gesamten Kolonie auch in schlechten Zeiten so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Ihre Ergebnisse veröffentlichen sie in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Weltweit gibt es rund 2500 verschiedene Blattlausarten. Die Insekten sind nur wenige Millimeter groß und haben Saugrüssel, mit denen sie Pflanzen anzapfen können, um sich von ihrem Saft zu ernähren. Tiere ein und derselben Art können ansonsten vollkommen unterschiedlich erscheinen, denn die Blattläuse durchlaufen einen sogenannten Generationswechsel. Dabei verändert sich nicht nur das Aussehen der Insekten, sondern auch ihre Lebensweise – und manchmal auch ihre Fortpflanzungsart.

Krankhafte Wucherungen

Blattläuse können ganze Pflanzenbestände vernichten.
Blattläuse können ganze Pflanzenbestände vernichten.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die Blattlausart Quadrartus yoshinomiyai bildet Gallen – krankhafte Wucherungen an Pflanzen, in denen die Insekten leben. Als erstes befällt ein "Gründertier" den Strauch Distylium racemosum. Es entsteht eine Galle für den Nachwuchs, der darin zunächst zu flügellosen Erwachsenen heranwächst. Während der rund 14 Monate, in der die Wucherung bestehen bleibt, folgen weitere Generationen, berichten die Forscher. Die meisten Abkömmlinge bleiben flügellos, doch ein Teil der dritten, und die gesamte vierte Generation bekommt Flügel.

Im April, nachdem die zuvor vollkommen geschlossene Galle herangereift ist, bildet sich eine Öffnung. Die geflügelten Exemplare flüchten aus diesem Ausgang und flattern zur zweiten Wirtspflanze. Was zurückbleibt, ist das Loch, das von den flügellosen Erwachsenen und ihrem Nachwuchs verteidigt wird.

Attacke mit Mundwerkzeugen

Aus vorherigen Studien ist bereits bekannt, dass Jungtiere Angreifer mit ihren Mundwerkzeugen attackieren. Die Alten verteidigen ihre Kolonie hingegen, indem sie ein wachsartiges Sekret ausscheiden, mit dem sie sich selbst auf die Feinde kleben. Das Team um Keigo Uematsu wollte nun herausfinden, wie sich die selbstlosen Verteidiger räumlich organisieren.

Hierzu sammelten sie in Tokio Gallen, die bereits Löcher zeigten. Jedes der 20 Exemplare wurde vom Baum geholt und in drei Abschnitte geteilt: Ein Teil umfasste den Bereich unmittelbar um das Ausgangsloch, der zweite den Rest der obereren Hälfte, der dritte die gesamte untere Hälfte. Die Abschnitte wurden in Alkohol konserviert und im Labor analysiert. In einem ähnlichen Experiment untersuchten die Wissenschaftler 31 Gallen, die am Baum noch geschlossen waren. Bevor sie deren Zusammensetzung analysierten, bohrten die Forscher ein Loch in die Wucherungen und ließen sie ein Weile in Dunkelheit liegen.

An vorderster Front

In beiden Versuchen waren die Ergebnisse ähnlich. Sowohl in den Gallen mit natürlichen, als auch in denen mit einem künstlich geschaffenem Ausgang gab es vor allem zwei Gruppen, die um das Loch zu finden waren: viele besonders junge Tiere und einige flügellose Erwachsene. Dies waren demnach die Blattläuse, die an vorderster Front kämpften. Ältere Jungtiere und Erwachsene mit Flügeln hatten sich hingegen meist vom Gefahrenherd wegbewegt.

Dass sich gerade die sehr jungen Tiere in Gefahr bringen, wundert die Wissenschaftler nicht. Im Vergleich zu den anderen fruchtbaren Blattläusen haben sie nur einen geringe Bedeutung für die Reproduktivität der gesamten Kolonie, schreiben sie.

Quelle: n-tv.de

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