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Grafische Darstellung der Arbeiten. Eine Probe aus der Wasseroberfläche trifft im Mai per Schiff in St. Petersburg ein.
Grafische Darstellung der Arbeiten. Eine Probe aus der Wasseroberfläche trifft im Mai per Schiff in St. Petersburg ein.

"Neue Tür aufgestoßen": Wostok-See birgt Geheimnisse

Russische Wissenschaftler finden einen Millionen Jahre alten See in der Antarktis, der Tief unter dem Eis liegt. Welche Dinge daraus geborgen werden und welche Auswirkungen das Anbohren des Eises in dieser Tiefe haben könnten, erklärt der Polarforscher Heinz Miller in einem Gespräch.

Der von russischen Wissenschaftlern angebohrte Wostok-See unter dem antarktischen Eis könnte nach Ansicht des Polarforschers Heinz Miller tatsächlich neue Mikrobenarten zutage fördern. Bei den Untersuchungen müsse man aber sorgsam und vorsichtig vorgehen, sagte der stellvertretende Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven in einem Gespräch.

Was bedeutet die Bohrung für die Wissenschaft?

Professor Heinz Miller bei seiner Arbeit.
Professor Heinz Miller bei seiner Arbeit.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Miller: Wir wissen, dass es eine Reihe von Seen unter dem Eis der Antarktis gibt. Diese Seen sind völlig unbekannt, es gibt verschiedene Probleme, zu denen man bisher nur Theorien hat. Zum Beispiel über die physikalische Beschaffenheit, ob dort Sauerstoff in Form von Lufthydraten gespeichert ist. Ein zweiter Aspekt liegt im Bereich der biologischen Forschung weil man sich vorstellen könnte, dass sich dort neue evolutionäre Linien etabliert haben. Ob das so ist, wird erst das Ergebnis am Ende zeigen. In jedem Fall aber ist den russischen Kollegen zu gratulieren. Sie haben unter schwierigsten Bedingungen eine neue Tür aufgestoßen. Was sich wirklich dahinter verbirgt wird uns noch lange beschäftigen.

Was muss man beachten, um brauchbare Proben zu erhalten?

Das hängt davon ab, ob man am biologischen Inhalt in Form von Mikroben interessiert ist oder rein am Chemismus des Wassers, der Auskunft über das Alter des Wassers geben könnte. Man sollte das Wasser in steriler Art gewinnen. Das soll nach den russischen Plänen dadurch geschehen, dass man mit einem Unterdruck im Bohrloch arbeitet, so dass auf jeden Fall Wasser aus dem See im Bohrloch nach oben steigt. Wenn es den Russen gelingt, die letzten Meter mit einer thermischen Sonde zu bohren und mit einem Druckgefäß Seewasser zu gewinnen, dann hat man gefrorenes Wasser in reiner Form vorliegen. Es ist wahrscheinlicher, am Boden als im freien Wasser Lebewesen zu finden. Die Verhältnisse im Wostok-See unterscheiden sich nicht sehr von den Verhältnissen in der Tiefsee.

Gibt es grundsätzliche Risiken bei dieser Forschung?

So wie ich die russische Technologie verstehe, halte ich das Risiko für gering, dass sich die Bohrlochflüssigkeit in den See entleert. Dies ist auch nicht geschehen, vielmehr ist eine 40 Meter hohe Wassersäule im Bohrloch aufgestiegen. Aber selbst wenn das geschehen würde, gäbe es eine Durchmischung, so dass man nach einiger Zeit die Konzentration nicht mehr messen könnte. Man könnte bei einer Beprobung aber wahrscheinlich nicht mehr unterscheiden zwischen Mikroben aus der Bohrlochflüssigkeit und Mikroben aus dem Seewasser. Das wäre ein Risiko für den wissenschaftlichen Wert. Dieses Risiko könnte man minimieren, wenn man mit Hilfe einer Schmelzbohrung bis zu diesem oder einem anderen See vorstößt.

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Quelle: n-tv.de

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