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Das waren noch Zeiten ... Für die Taktungen des modernen Lebens ist die Sonnenuhr aber eine ungeeignete Zeitmessung.
Das waren noch Zeiten ... Für die Taktungen des modernen Lebens ist die Sonnenuhr aber eine ungeeignete Zeitmessung.(Foto: imago/blickwinkel)

Von Waffen, Zügen und Biorhythmus: Zeitumstellung: Was es sich zu wissen lohnt

In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden wieder mal die Uhren umgestellt. Die Sommerzeit gab es in Deutschland erstmals 1916 - aber nicht zum Energiesparen. Was hatte es damals damit auf sich? Und wie kam es zum Abschied von der Sonnenuhr?

Vor oder zurück?

Alle halbe Jahre dieselbe Frage. Diesmal heißt die Antwort: vor. Denn im Sommer stellt man die Gartenmöbel vor die Tür, im Winter zurück in den Schuppen – wie ein beliebter Merksatz verrät. Die Uhr wird in der Nacht vom 28. auf den 29. März also eine Stunde vorgestellt. Um 2 Uhr ist es dann auch schon 3 Uhr. Auf alles, was normalerweise dazwischen liegt, müssen wir in dieser Nacht verzichten. Für die kommenden Wochen bedeutet das, dass wir morgens erstmal wieder im Dunkeln aufstehen. Dafür bleibt es nach Feierabend länger hell.

Warum gibt es die Sommerzeit?

Von 1916 bis 1918 galt die Sommerzeit in Deutschland zum ersten Mal. Damals, während des Ersten Weltkriegs, versprach sich das Kaiserreich davon Vorteile in der Rüstungsindustrie. Man wollte die Arbeitskraft durch mehr Tageslicht besser nutzen. 1947 wurden die Uhren im Sommer nicht nur um eine, sondern gleich um zwei Stunden vorgestellt. In dieser Zeit brauchte man mehr Tageslicht für den Wiederaufbau der Infrastruktur nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit 1980 nun will man mit der Sommerzeit Energie sparen – was allerdings dem Umweltbundesamt zufolge nicht klappt. Zwar knipsen wir durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger oft das Licht an, im Frühjahr und Herbst jedoch wird dafür in den Morgenstunden mehr geheizt. Unterm Strich gibt es durch die Sommerzeit allein keine Ersparnis.

Wäre nicht die Sonnenuhr das Beste für den Biorhythmus?

Anachronistisch oder am Puls der naturgegebenen Zeit? Die Sonnenuhr fürs Handgelenk.
Anachronistisch oder am Puls der naturgegebenen Zeit? Die Sonnenuhr fürs Handgelenk.(Foto: imago/Westend61)

12 Uhr ist es, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat – das wäre eine naturgegebene Zeitmessung. Tatsächlich galt sie im 19. Jahrhundert noch. Damals richtete man sich nach der Sonnenuhr. Im Osten Deutschlands war der Mittag deswegen früher erreicht als im Westen; Görlitz war Köln im Tagesablauf eine gute halbe Stunde voraus. Die Ortszeiten änderten sich, parallel zum Lauf der Sonne, von Längengrad zu Längengrad. Das ging gut – bis der Zugverkehr eingeführt wurde. Da erwiesen sich diese zahlreichen unterschiedlichen Zeitzonen als Problem: Wie sollten für längere Strecken allgemeingültige Fahrpläne erstellt werden? Man musste berücksichtigen, dass die Zeit an jedem Bahnhof eine andere war. Schnell stellte man fest: Die unterschiedlichen Ortszeiten waren eine fortdauerte Quelle von Fehlern und Missverständnissen.

So legten die deutschen und österreichisch-ungarischen Eisenbahngesellschaften 1891 die M.E.Z., die mitteleuropäische Eisenbahnzeit, als gemeinsame Betriebszeit fest. Es war die Zeit, die auf dem 15. Längengrad östlich von Greenwich galt. Der teilte das Deutsche Reich in zwei Hälften. Ein Jahr später wurde diese Zeit per Gesetz als alltagstaugliche Mitteleuropäische Zeit für das ganze Deutsche Reich festgelegt. Damit war unsere Winterzeit geschaffen - die Zeit, die heute noch unsere Normalzeit ist. Dass sie an den Rändern der Zeitzone nicht ganz dem Biorhythmus und der natürlichen Ausnutzung des Tageslichts entspricht, kritisierte man schon damals.

Wie kommt der Körper mit der Zeitumstellung am besten klar?

Mit der Umstellung auf Sommerzeit fehlt vielen Menschen morgens einfach eine Stunde Schlaf. Im Sommer, bei Tageslicht, früh aktiv zu sein, ist für den Körper an sich kein Problem, im Gegenteil: Es entspricht ihm. Schwierig ist nur, dass die Umstellung auf Sommerzeit eigentlich zu früh kommt (für Frühaufsteher ist es morgens jetzt erstmal wieder dunkel) und dass der Körper buchstäblich von heute auf morgen mit dem neuen Rhythmus fertig werden muss. Besser wäre es, er könnte sich allmählich daran gewöhnen. Wer kann, sollte also in den Tagen vor der Zeitumstellung jeden Abend zehn Minuten früher ins Bett gehen als am Vortag. Wichtige Termine in den Morgenstunden und am späten Abend sollte man vermeiden und sie auf andere Zeiten legen. Und: Wer tagsüber viel Licht abbekommt, kann nachts besser schlafen. Also raus in die Sonne! Spätestens drei bis vier Wochen nach den Uhren hat sich dann auch der Körper auf Sommerzeit umgestellt.

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Quelle: n-tv.de

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