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Stand bisher im Fokus: Aedes aegypti, die Gelbfiebermücke. Nun versuchen Forscher herauszufinden, ob das Zika-Virus auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann.
Stand bisher im Fokus: Aedes aegypti, die Gelbfiebermücke. Nun versuchen Forscher herauszufinden, ob das Zika-Virus auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann.(Foto: picture alliance / dpa)

Mücken und andere Infektionsquellen: Zika-Virus durch Speichel übertragbar?

Dass der Hauptüberträger des Zika-Virus Aedes-Mücken sind, ist lange bekannt. Auch über Sex scheint in sehr seltenen Fällen eine Ansteckung möglich zu sein. Nun ist von Speichel und Urin als Infektionsquelle die Rede. Was ist da dran?

Rund um das Zika-Virus gibt es diverse Unsicherheiten, viele seiner Eigenschaften sind noch unklar. So weiß man zum Beispiel nicht, warum sich das Virus in Südamerika so rasch verbreitet. Kennt man alle Übertragungswege? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass "beinahe 100 Prozent aller Ansteckungen durch Stechmücken erfolgen". In Einzelfällen scheint auch eine Übertragung des Virus durch Sex möglich zu sein.

Nun teilte das Institut Fundação Oswaldo Cruz (Fiocruz) in Rio de Janeiro mit, man habe das Zika-Virus in Speichel- und Urinproben nachgewiesen. In Fachkreisen ist das nichts Neues. Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg ist schon länger bekannt, dass Zika-Viren im Urin nachgewiesen werden können. Auch über Zika-Erbgut im Speichel haben Forscher bereits berichtet. Offen aber ist, ob Zika wirklich über den Speichel verbreitet werden kann.

Bewiesen ist noch nichts

Schwangere, die auf Nummer sicher gehen wollten, sollten während des Karnevals aufs Küssen besser verzichten – so die Empfehlung eines brasilianischen Forschers. Auch sollten Menschen, die Zika-Symptome zeigen (üblicherweise leichtes Fieber und Ausschlag), weder Besteck noch Teller und Gläser teilen. Bewiesen aber ist noch nichts. Wissenschaftler arbeiten unter Hochdruck. Sie wollen herausfinden, ob das Zika-Virus über Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann.

Auch für einen Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie, einer Schädelfehlbildung bei Neugeborenen, fehlt noch der endgültige Beweis. Der Zusammenhang gilt jedoch als sehr wahrscheinlich. Nach Angaben der WHO besteht vor allem angesichts der Daten aus Brasilien ein starker Verdacht, dass die Zika-Infektion von Schwangeren zu einer Schädelfehlbildung beim Baby führen könnte. Von Oktober bis Februar ist die Zahl bewiesener Mikrozephalie-Fälle in Brasilien auf 404 gestiegen. In 17 Fällen konnte nachgewiesen werden, dass sich die Schwangere zuvor mit dem Zika-Virus infiziert hatte. 2014 waren nur 147 bestätigte Mikrozephalie-Fälle registriert.

Auch andere Auslöser denkbar

Nach Meinung einiger brasilianischer Ärzte hat der Anstieg der registrierten Mikrozephalie-Fälle in Brasilien jedoch auch mit der Meldepflicht seit Oktober 2015 zu tun. Mediziner im nordbrasilianischen Recife haben rückblickend Daten von 2012 ausgewertet: Lege man die derzeit üblichen Kriterien für Mikrozephalie an, dann habe es schon seit 2012 ungewöhnlich viele Fälle gegeben, schreiben sie. Nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts ist auch denkbar, dass es einen ganz anderen Auslöser geben könnte, als das Zika-Virus – beispielsweise ein Medikament.

Auch eine andere Krankheit rückt immer weiter in den Vordergrund: Fünf der aktuell 33 von Zika betroffenen Länder meldeten nach WHO-Angaben mehr Fälle der seltenen Lähmungskrankheit Guillain-Barré: Brasilien, Kolumbien, El Salvador, Suriname und Venezuela. Die Regierung von Kolumbien hatte am Freitag sogar von drei Todesfällen durch die Krankheit berichtet. Alle drei Menschen waren mit Zika infiziert. Schon der Zika-Ausbruch 2013/14 in Französisch-Polynesien ging den Angaben zufolge mit einem Anstieg des Guillain-Barré-Syndroms einher. Doch auch hier ist der Zusammenhang mit dem Zika-Virus nicht zweifelsfrei bewiesen. Die WHO betont: "Es sind weitere Forschungsanstrengungen nötig".

Quelle: n-tv.de

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