AblenkungsmanöverSpinne baut Attrappen aus Müll
Um räuberische Wespen von sich abzulenken, platziert eine tropische Spinne einen lebensgroßen Nachbau ihrer selbst im Netz. Dafür verwenden sie Beuteresten und Ei-Kokons.
Um räuberische Wespen von sich abzulenken, platziert eine tropische Spinne einen lebensgroßen Nachbau ihrer selbst im Netz. Das berichtet eine Gruppe um Ling Tseng von der Tunghai University in Taiwan im Journal "Animal Behaviour". Mit der Attrappe aus Beuteresten und Ei-Kokons wollen die Spinnen demnach ihre Feinde von sich ablenken. Obwohl Spinnen selbst Beute jagen, sind sie vor Räubern nicht gefeit.
Die Art Cyclosa mulmeinensis lebt auf einer Insel vor der Küste Taiwans. Tseng erwartete, dass Spinnen mit einem Nachbau im Netz nicht so häufig attackiert werden wie Spinnen ohne diese Abwehr. Genau dies ließ sich im Freiland nachweisen. Die Forscher zeigten zudem, dass die Nachbauten Licht auf ähnliche Weise reflektieren wie die echten Spinnen. Damit wirken sie auf Räuber anziehend, und Spinnen mit dem selbst gebauten Köder überleben besser.
Dekorierte Netze locken Beute an
Cyclosa mulmeinensis zieht indes noch andere Forscher in ihren Bann – offenbar fängt sich in dem dekorierten Netz auch mehr Beute. Diese Erkenntnisse veröffentlichten die japanischen Insektenforscher Daiquin Li und Eunice Tan von der Nationalen Universität in Singapur im "Journal of Experimental Biology". Die Spinne, ihr ins Netz geflochtener Müll und ihre Nachbildung reflektieren das Licht – und das dahinter liegende Netz scheint dadurch fast unsichtbar. So fliegen viele Insekten in die Falle.
Auch Li und Tan berichten darüber hinaus, dass sich die Spinnen mit den getarnten Netzen vor ihren Fressfeinden schützen. Für ihre Untersuchung filmten die Forscher die auch "Müll-Netz-Spinnen" (englisch: garbage line spider) genannten Spinnen über mehr als 170 Stunden. Das Männchen ist glatt und schwarz, während das doppelt so große Weibchen grau-braun und runzlig ist.