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Geschichte zeigt ErstaunlichesWerden unsere Kinder einmal ärmer leben als wir?

19.07.2026, 18:00 Uhr
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(Foto: imago stock&people)

Es gibt Sätze, die über Jahrzehnte als selbstverständlich galten. Einer davon lautete: Unsere Kinder werden es einmal besser haben als wir. Kaum eine Generation in Deutschland hat daran ernsthaft gezweifelt. Und jetzt?

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten das Wirtschaftswunder, steigende Löhne, wachsender Wohlstand und ein Sozialstaat, der vielen Menschen Sicherheit und Aufstieg ermöglichte. Wer fleißig arbeitete, konnte sich ein Haus leisten, eine Familie gründen und darauf vertrauen, dass die nächste Generation noch mehr Möglichkeiten haben würde.

Doch zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten beginnt dieses Versprechen zu bröckeln. Fragt man heute junge Menschen nach ihrer Zukunft, hört man häufig andere Sätze. Dass Wohneigentum kaum noch erreichbar scheint, dass die gesetzliche Rente unsicher wirkt, dass die Welt komplizierter geworden ist. Und dass sie nicht mehr selbstverständlich davon ausgehen, später einmal wohlhabender zu sein als ihre Eltern.

Die Frage, ob unsere Kinder eines Tages ärmer leben könnten als wir, ist längst keine theoretische Diskussion mehr. Sie beschäftigt Ökonomen, Politiker und zunehmend auch Familien am Küchentisch. Dabei spricht auf den ersten Blick vieles für den Pessimismus. Wer heute in einer deutschen Großstadt eine Wohnung kaufen möchte, muss häufig ein Vielfaches dessen bezahlen, was die Elterngeneration noch aufbringen musste. Die Immobilienpreise sind in vielen Regionen deutlich schneller gestiegen als die Einkommen. Gleichzeitig belasten hohe Mieten viele Haushalte und erschweren den Vermögensaufbau.

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Lothar Albert ist Gründer und Veranstalter der Finance 26, Herausgeber des Traders' Magazins und seit über 20 Jahren Organisator von Finanzveranstaltungen. Mit der Finance 26 möchte er Finanzbildung, Kapitalmarkt und Community auf eine neue Ebene heben.

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Hinzu kommt die Demografie. Die Babyboomer gehen in Rente, die Gesellschaft altert und immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentner aufkommen. Schon heute fließen gewaltige Summen aus dem Bundeshaushalt in die Rentenkassen. Viele Experten gehen davon aus, dass die Belastungen in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen werden.

Vielleicht wird Wohlstand weniger selbstverständlich

Auch die Staatsverschuldung und die Kosten der Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft werfen Fragen auf. Wer wird all das finanzieren? Und welche Lasten werden auf die nächste Generation übertragen?

Es sind berechtigte Sorgen. Doch sie erzählen nur die halbe Geschichte. Denn gleichzeitig leben wir in einer Zeit, die enorme Chancen bietet. Noch nie in der Geschichte hatten Menschen so einfachen Zugang zu Bildung, Informationen und Kapitalmärkten. Wer heute Vermögen aufbauen möchte, kann mit wenigen Klicks weltweit in Unternehmen investieren. Künstliche Intelligenz, Robotik und neue Technologien haben das Potenzial, die Produktivität erheblich zu steigern und völlig neue Geschäftsmodelle hervorzubringen.

Die Geschichte zeigt zudem etwas Erstaunliches: Menschen unterschätzen häufig die Fähigkeit von Gesellschaften, sich anzupassen und Probleme zu lösen. In den 1970er-Jahren glaubten viele, das Wirtschaftswachstum sei am Ende. In den 1980er-Jahren fürchtete man den Niedergang der Industrie. Nach der Finanzkrise 2008 sahen manche bereits eine verlorene Generation heraufziehen.

Und dennoch entwickelte sich die Welt weiter. Neue Technologien entstanden. Neue Unternehmen wurden gegründet. Der Wohlstand wuchs. Warum sollte dies künftig grundsätzlich anders sein? Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo zwischen den beiden Extremen. Vielleicht werden unsere Kinder nicht automatisch ärmer. Aber vielleicht wird Wohlstand weniger selbstverständlich.

Sind unsere Kinder auf diese Welt vorbereitet?

Wer künftig Vermögen aufbauen möchte, wird sich wahrscheinlich stärker mit Geld, Investitionen und langfristiger Planung beschäftigen müssen. Die Zeiten, in denen allein ein Sparbuch oder die gesetzliche Rente für finanzielle Sicherheit sorgen konnten, könnten vorbei sein.

Die Anforderungen an finanzielle Bildung werden steigen. Und möglicherweise wird auch die Kluft zwischen denjenigen wachsen, die sich früh mit Geldanlage und Vermögensaufbau beschäftigen, und jenen, die dies nicht tun. Das eigentliche Risiko für die nächste Generation liegt deshalb vielleicht nicht in der Wirtschaft selbst. Sondern darin, die neuen Möglichkeiten nicht zu nutzen.

Denn noch nie war es einfacher, Wissen zu erwerben, Unternehmen zu gründen oder am weltweiten Produktivkapital teilzuhaben. Die Chancen sind da. Aber sie verteilen sich nicht automatisch. Vielleicht wird unsere Kinder deshalb eine andere Frage beschäftigen als uns. Nicht, ob sie einmal ärmer sein werden. Sondern wie sie ihren eigenen Wohlstand gestalten können. Denn Wohlstand entsteht selten von allein. Er entsteht durch Bildung, Innovation, Unternehmertum und die Fähigkeit, Chancen zu erkennen.

Die gute Nachricht lautet: All diese Möglichkeiten existieren weiterhin.

Die schlechte: Man wird sich künftig wahrscheinlich etwas mehr anstrengen müssen, um sie zu nutzen.

Drei Szenarien für Deutschland im Jahr 2045

Das pessimistische Szenario

Schwaches Wirtschaftswachstum, hohe Abgaben und zunehmende Belastungen der Sozialsysteme führen dazu, dass die nächste Generation real weniger Vermögen aufbaut als ihre Eltern.

Das realistische Szenario

Deutschland wächst langsamer als in der Vergangenheit, bleibt aber wohlhabend. Vermögensaufbau wird stärker zur Eigenverantwortung und finanzielle Bildung gewinnt an Bedeutung.

Das optimistische Szenario

Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Produktivitätsfortschritte schaffen neuen Wohlstand. Die nächste Generation profitiert von technologischem Fortschritt und neuen Formen der Kapitalbeteiligung.

Vielleicht ist die eigentliche Frage also gar nicht, ob unsere Kinder einmal ärmer leben werden. Vielleicht lautet die wichtigere Frage: Bereiten wir sie ausreichend auf die Welt vor, die sie erwartet?

Quelle: ntv.de