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Der facettenreiche Wilde Stefan Szczesny widmet sich der Schönheit

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Er gilt zunächst als "Junger Wilder", erobert dann von München aus die Welt. Der Maler, Zeichner und Bildhauer Stefan Szczesny begeistert seit Jahrzehnten mit seinen bunten Bilderwelten Institutionen und Kritiker gleichermaßen. Pierce Brosnan und Mario Adorf gehören zu seinen Sammlern.

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Lebensfreude, Wärme und Licht. Die Bilder von Stefan Szczesny strahlen eine immense positive Kraft aus. Der international renommierte Künstler kombiniert in seinen Werken Schönheit und Eleganz, ohne in Kitsch abzudriften. Wiederkehrende Motive sind arkadische Landschaften und der weibliche Körper, die er gestisch auf Leinwände und Objekte bannt. Sein Stil scheint auf den ersten Blick vielleicht naiv und ist doch das Produkt einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit dem Medium Malerei, immer auf der Suche nach einer adäquaten Form des Ausdrucks.

Stefan Szczesny wird 1951 als Sohn der Dramaturgin Martha Meuffels und des Schriftstellers Gerhard Szczesny in München geboren. Schon früh erkennt er sein Interesse an den expressiven Künsten Musik und Malerei. Er besucht von 1967 bis 1969 eine private Schule für freie und angewandte Kunst in München, bevor er ein Studium an der dortigen Akademie der Bildenden Künste aufnimmt. Zunächst widmet er sich der abstrakten Malerei, die damals den allgemeinen Diskurs bestimmt. Wie seine Maler-Kollegen Gerhard Merz und Günter Förg arbeitet er monochrom, konkret und konzeptuell. Einige Aufenthalte im Ausland sollten seine Perspektive auf die Malerei jedoch grundsätzlich verändern. Mitte der 1970er-Jahre ermöglicht ihm ein DAAD-Stipendium einen Aufenthalt in Paris. Dort setzt er sich intensiv mit dem Werk des Landschaftsmalers Auguste Delacroix auseinander und beginnt seine malerische Praxis zu hinterfragen.

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Ein Aufenthalt an der Villa Romana in der von der Renaissance geprägten Stadt Florenz im Jahr 1980 beschleunigt seine Entwicklung weg von der kühlen Abstraktion hin zum Figürlichen. Er spielt mit Farben und Formen und hinterfragt Traditionen. Zurück in München initiiert er 1981 die Gruppenausstellung "Rundschau Deutschland" mit Künstlern seiner Generation wie Jiří Dokoupil oder Martin Kippenberger, die sich wie er mit expressiven, gegenständlichen Bildern aus der Abstraktion befreien wollten.

So wird Stefan Szczesny in den Achtzigerjahren einer der führenden Protagonisten der "Neuen Wilden", die damals gleichzeitig die Museen, den Kunstmarkt und die Großausstellungen wie die Documenta erobern. Als Gegenströmung zu den Positionen der Avantgarde, des Minimalismus und der Konzeptkunst entsteht eine expressive Malerei, die aus individuellen Empfindungen schöpft: Die "Jungen Wilden" malen mit raschem, breitem Pinselstrich farbkräftige, expressive und direkte Bilder.

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Stefan Szczesnys Karriere nimmt rasch Fahrt auf. Er hat Einzelausstellungen in namhaften internationalen Galerien und Museen. Nach Lebens-Stationen in Rom, Köln, New York und Sevilla zieht er mit seinem Atelier in den 1990er-Jahren auf die Karibikinsel Mustique. Die tropische Umgebung beeinflusst ihn weiter, seine Arbeiten werden noch opulenter, sinnlicher und farbenfroher. Seit 2001 lebt und arbeitet Szczesny im nicht minder farbenfrohen südfranzösischen Saint-Tropez. Neben seiner malerischen Praxis hat er auch ein umfassendes keramisches und bildhauerisches Oeuvre vorzuweisen. Auf der Expo 2000 in Hannover gestaltete er den WWF-Pavillon und 2007 die Insel Mainau als Gesamtkunstwerk. 2014 wird ihm als erstem deutschen Künstler eine Retrospektive im Palais des Papes in Avignon ausgerichtet, wo vor ihm Größen wie Picasso oder Matisse geehrt wurden. Zu Szczesnys größten Kunstprojekten im öffentlichen Raum gehört das Deckengemälde des Berliner Lindencorsos.

Wie ein roter Faden durchzieht eine positive, humanistische Vision vom Leben sein Werk: "Ich bin sicherlich ein Außenseiter in der Kunst, das ist mir bewusst. Ich persönlich bin der Meinung, dass Kunst immer lebensbejahend sein und den Betrachter aufrichten und ihm Glücksgefühle vermitteln sollte", konkretisierte er in einem Interview mit dem Magazin "Disy" seine Haltung. Mit seinen gekonnten Farb-Kontrasten und expressiven Pinselstrichen, immer im Spannungsfeld zwischen Tradition und provokanter Innovation, schafft er genau das.

Die Dokumentation über Stefan Szczesny finden Sie in der TV NOW Mediathek.

Quelle: ntv.de

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