Der TagDer Himmel über Jordanien - im Konflikt zwischen Israel und Iran
Plötzlich waren sie vom Himmel gefallen, ein dunkles Stahlrohr und ein ausgebrannter Metallhaufen, zwischen geparkte Autos in einer Wohngegend von Amman. Jordaniens Hauptstadt lag bei Irans nächtlichem Angriff auf Israel direkt in der Schusslinie. Muss das arabische Land, eigentlich bekannt als Insel der Stabilität in einer von Konflikten geplagten Region, sich jetzt um die eigene Sicherheit sorgen?
"Wir werden es nicht akzeptieren, dass man uns zu einem weiteren Kriegsfeld macht", stellte Jordaniens Außenminister Aiman al-Safadi klar. Das sei eine Botschaft an den Iran wie auch an Israel. Jordaniens Luftwaffe hatte dabei geholfen, einige der nach israelischen Angaben mehr als 500 Raketen, Marschflugkörper und Drohnen aus dem Iran und von dessen Verbündeten aus der Region abzufangen. Israels Kampfflugzeuge sollen dabei auch den jordanischen Luftraum genutzt haben - es wäre das erste Mal, dass die beiden Militärs Seite an Seite kämpfen. Weil man das auch als Verteidigung Israels auslegen konnte, folgte umgehend eine Warnung aus Teheran: Irans Streitkräfte würden "die Bewegungen Jordaniens sorgfältig beobachten", schrieb die iranische Nachrichtenagentur Fars. "Wenn sie sich an einer möglichen Aktion beteiligen, werden sie das nächste Ziel sein." Jordanien bestellte daraufhin den iranischen Geschäftsträger in Amman ein.
Jordanien bewege sich "zwischen den Fronten", weiß Tareq Sydiq, Konfliktforscher an der Universität Marburg. Jordaniens Führung habe "enorme Sorge, dass eine ähnliche Situation eintritt wie in Syrien, dass am Ende iranische und israelische Kriegsführung auf ihrem Territorium ausgetragen wird". Der Himmel über Jordanien könnte zur neuen Kampfzone werden - auch bei einem direkten Angriff Israels auf den Iran. Prekär ist nicht nur Jordaniens geografische Lage: In der Bevölkerung, wo mehr als jeder Zweite palästinensische Wurzeln hat, darunter Königin Rania, wächst der Unmut gegen König Abdullah II. "Jordaniens König lässt Raketen auf seine Bürger fallen, um Israel zu schützen", so ein Jordanier, der ein Video der Raketenteile in Amman verbreitete.