Fünf Jahre "Wir schaffen das" Dieter Nuhr: "Eine wortgewordene Schlaftablette"

In dem Satz "Wir schaffen das" waren von Anfang an exakt drei Variablen offen: Wer ist "wir"? Was ist "das"? Und was heißt überhaupt "schaffen"? Diese drei Faktoren sind bis heute unscharf, was aber niemanden daran hindert, über den Satz zu diskutieren. In der Öffentlichkeit geht es ja selten um scharfe Fakten, sondern eher um assoziativ Verschwurbeltes, an dem man sich empören kann.
Wenn damals im Jahr 2015 das Überstehen der Flüchtlingskrise gemeint war, dann muss man sagen: Wir haben es geschafft. Der Deutsche ist noch da, er wurde nicht umgetopft oder ausgevolkt, wie es die völkisch Verwirrten erwartet haben. Allerdings ist der Deutsche etwas weniger allein hier im Land als vor 2015. Was den Unterschied ausmacht, kann jeder anders empfinden. Mir erscheint er nicht wesentlich. Auch hier also: Geschafft.
Allerdings glaube ich: Der herausragende Grund, warum im Satz "Wir schaffen das" kein Funken Unwahrheit enthalten ist, ist: Er war völlig inhaltsleer.
Er klang einfach beruhigend, wie eine wortgewordene Schlaftablette. Angenehm. Und weit besser als: "Wir schaffen das nicht".
Dieter Nuhr ist Kabarettist, Comedian, Autor und Künstler. Durch TV-Shows wie "Nuhr im Ersten" oder seinem jährlichen Jahresrückblick ist er einem breiten Fernsehpublikum bekannt.