Der TagExpertin: Trump hat Kanada provoziert
Seit dem Scheitern der Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa Ende vergangener Woche ist der Streit zwischen den Nachbarländern eskaliert. Die USA verhängten am Wochenende Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar (rund 17 Mrd. Euro). Kanada kündigte daraufhin Gegenzölle ungefähr im selben Wert an und legte ein milliardenschweres Hilfspaket für betroffene Branchen in Kanada auf. Nach Einschätzung der US-Expertin Laura von Daniels provozierte die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Kanadier im Handelsstreit mit harten Verhandlungspositionen. Die Forderungen reichten bis in den Bereich der Sprach- und Kulturpolitik, sagte die Politökonomin der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).
Für den kanadischen Premierminister Mark Carney sei das eine Frage der Souveränität. "Einmischung in nationale Regulierung verbietet sich", sagte von Daniels. Zudem seien kanadische Verhandler als sehr robust bekannt, vor allem wenn es um Interessen kanadischer Milchproduzenten oder um die Stahl- und Auto-Industrie gehe. Man müsse aber auch sehen: "Bisher sind die neuen US-Zölle noch relativ milde und auf weniger wichtige Produkte begrenzt." Weiter gehende Zolldrohungen, bei denen es für Kanada richtig teuer würde, etwa bei Autos und Autoteilen, würden erst im Januar 2027 in Kraft treten. "Das lässt einigen zeitlichen Spielraum für weitere Verhandlungen."