Der TagHistoriker: CDU und CSU müssen naive Russland-Politik aufarbeiten
Der russische Angriff auf die Ukraine hat keine Volkswirtschaft so sehr getroffen wie die deutsche. Als Ursache wird häufig die allzu Russland-freundliche Politik von SPD-Spitzen wie Altkanzler Gerhard Schröder, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidenten Manuela Schwesig ausgemacht. Der Historiker Heinrich August Winkler aber sagt: Es werde in diesem Zusammenhang "zu wenig über die Ära Merkel gesprochen".
"Es gab auch eine christdemokratische Russlandpolitik, die nicht ganz zufällig weitgehend übereinstimmte mit dem, was der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft wollte", betont der Historiker in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".
"Die CDU und die CSU haben die Gefahren genauso ignoriert wie die SPD. Dieses Kapitel muss aufgearbeitet werden."
Die frühere Kanzlerin Angela Merkel habe sich über den aggressiven Grundzug von Putins Politik keine Illusionen gemacht, aber bezüglich Energieversorgung überhaupt keine Konsequenzen gezogen.