Fünf Jahre "Wir schaffen das" Jenny Matthiessen: "Hilfe sollte selbstverständlich sein"

2015 habe ich oft gedacht, dass ich es nicht schaffe, weil die Arbeitsbelastung einfach zu hoch war. Das lag allerdings nicht an den Geflüchteten, sondern daran, dass es kaum Strukturen gab und uns niemand gesagt hat, wie wir etwas machen sollen. Es mussten sich erst langsam Wege finden. Aber ich denke, heute kann man sagen: Wir haben es geschafft, dank sehr vieler helfenden Hände. In einem reichen Staat wie Deutschland ist das für mich eigentlich keine Überraschung und es sollte eine humanitäre Selbstverständlichkeit sein, Menschen in Not zu helfen. Ich hätte mir seitens der Politik allerdings auch ein härteres Vorgehen gegen all jene gewünscht, die dieses System ausgenutzt haben oder hier sogar kriminell geworden sind.
Jennifer Matthiessen leitete zwischen 2015 und 2017 mehrere Erstaufnahmeeinrichtungen in Berlin, unter anderem für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.