Fünf Jahre "Wir schaffen das" Jörg Radek: "Die Polizei ist kein Reparaturbetrieb"

Wir haben es geschafft, vielen Geflüchteten einen sicheren Platz zu schenken. Weite Teile dieser Gesellschaft haben große Empathie gezeigt. Eine hierzulande bis dato unbekannte Willkommenskultur erfüllt mich als Mensch und Bürger noch heute mit Freude. Als Polizist besorgt mich, dass die Wirkung der Massenmigration nicht umfassend genug abgeschätzt wurde. Auf Berichten über Mehrfachidentitäten, machohaftes Verhalten oder eine vermeintliche "Flüchtlingskriminalität" bauten Rechtspopulisten Drohkulissen. Damit erreichten sie ein Publikum.
An vielen Stellen unserer Verwaltung taten sich Lücken auf. Die schleppende Rückführung von Asylsuchenden wurde harsch kritisiert. Viele monierten die Rückführung an sich. Die Integration der Geflüchteten hat darunter gelitten. Manche Erwartung wurde gedämpft, Perspektiven blieben unscharf. Ein Teil der Geflüchteten ist trotzdem angekommen. Ein anderer nicht. Die Folge: Gruppen schotten sich ab, verweigern sich, manche gehen auf Konfrontationskurs. Unter dem Strich konzentrieren sich die ungelösten Konflikte unserer Gesellschaft auf die Polizei. Sie ist jedoch kein Reparaturbetrieb!
Jörg Radek ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).