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Der TagKardinal Müller und die Verschwörungsmythen

13.12.2021, 13:01 Uhr

Der deutsche Kardinal und hohe Vatikan-Richter Gerhard Ludwig Müller hat Verschwörungsmythen über eine angeblich geplante Gleichschaltung der Menschen und einen Überwachungsstaat verbreitet. Der frühere Regensburger Bischof sprach in einem Interview davon, dass hinter Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie eine finanzkräftige Elite stecken würde. "Leute, die auf dem Thron ihres Reichtums sitzen", sehen angeblich "eine Chance jetzt, um ihre Agenda durchzusetzen", wie der 73-Jährige behauptete. Es gebe ein gewisses Chaos, "auch geboren aus dem Willen, die Gelegenheit zu nutzen, die Menschen jetzt gleichzuschalten, einer totalen Kontrolle zu unterziehen, einen Überwachungsstaat zu etablieren ..."

Das katholisch-konservative "St. Bonifatius Institut" aus Österreich hatte vorige Woche von dem Gespräch mit dem früheren Chef der Glaubenskongregation ein 2:19 Minuten langes Video getwittert. Müller bestätigte die Echtheit des Interviews. Die Deutsche Bischofskonferenz verwies auf ihren Aufruf, sich impfen zu lassen. Solche Formulierungen kämen in Verschwörungstheorien vor und werden auf die Corona-Pandemie übertragen. Der Politikwissenschaftler und Experte für solche Theorien Jan Rathje sagte zu Müllers Behauptungen: "Die Aussagen lassen sich größtenteils verschwörungsideologisch werten." Durch den Begriff "Gleichschaltung" ziehe er "einen Vergleich zum Nationalsozialismus, der dadurch verharmlost wird", so der Experte des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS). Darüber hinaus erwähnt Müller in seiner Rede den jüdischen Geschäftsmann George Soros, "was als antisemitische Chiffre gewertet werden kann", sagte Rathje.

Müller sagte, er wolle "eigentlich nicht geschaffen und erlöst werden" von Leuten wie dem früheren Microsoft-Chef Bill Gates oder Klaus Schwab, dem Chef des Weltwirtschaftsforums in Davos. Die beiden Männer tauchen so wie Soros häufig in Verschwörungsmythen auf. Müller wehrte sich per Mail, er weise die Logik zurück, dass "wenn jemand die Finanzelite kritisiert, er automatisch auf der falschen Seite ist". Er sprach erneut von einer "nicht legitimierten Einflussnahme der superreichen Eliten in verschiedenen Ländern". Der Kardinal hatte schon Anfang 2020 ein Manifest eines Erzbischofs gegen die Corona-Beschränkungen unterschrieben, in dem Narrative aus Verschwörungstheorien vorkommen.

Quelle: ntv.de