Panorama

"Schauspiel um die Macht" Katholische Reformversammlung endet mit Blamage

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Im Rahmen des Synodalen Wegs bindet die Kirche auch Kritiker ein. Doch am Ende entscheiden allein die Bischöfe und der Papst.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschlands oberster Bischof ist "unglaublich berührt". Die Kirche sei bei ihrem Reformprozess weit voran gekommen. Eine Panne zeigt jedoch, dass einige Teilnehmer den Synodalen Weg nicht ernst nehmen. Konservativen Bischöfen zufolge, handelt es sich ohnehin nur um ein "Schauspiel".

Die deutschen Katholiken haben die zweite Synodalversammlung ihres Reformprozesses mit einer Panne beendet. Während der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, die Ergebnisse Versammlung dennoch in höchsten Tönen lobte, kam aus Rom ätzende Kritik. Er sei "unglaublich berührt", weil bei dem dreitägigen Treffen des Synodalen Wegs so viel geschafft worden sei, sagte Bätzing. Es seien "klaren Richtungsentscheidungen", getroffen worden.

Eine peinliche Panne gab es allerdings am Schluss: Die Versammlung musste vorzeitig beendet werden, weil zu wenige Mitglieder im Saal anwesend waren und das Gremium dadurch nicht mehr beschlussfähig war. Eine ganze Reihe von Mitgliedern war offenbar vorzeitig abgereist, unter ihnen mehrere Bischöfe. Bätzing und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, ermahnten die gut 200 Mitglieder der Versammlung, dass das nicht nochmal vorkommen dürfe.

Gleichzeitig äußerte sich Bätzing hochzufrieden: "Es sind Texte debattiert worden, die nicht nur Texte sind, sondern in Worte gefasste Träume, wie wir die Kirche in Deutschland verändern wollen: eine Kirche, die partizipativ, geschlechtergerecht und mit den Menschen auf dem Weg ist." Nach den Vorstellungen der Synodalversammlung soll die Kirche künftig demokratischer strukturiert werden, so sollen Gläubige ein Mitspracherecht bei der Ernennung von Bischöfen bekommen.

Die katholische Kirche in Deutschland befindet sich in einer Krise. Vor allem der Missbrauchsskandal und dessen zögerliche Aufarbeitung durch die Amtsträger, haben zu einer Austrittswelle geführt. Auch Themen wie der Umgang mit Homosexualität, Abtreibung und die Beteiligung von Frauen in der Liturgie und der Kirchenführung haben zu einer tiefen Spaltung zwischen dem Klerus und in der Kirche engagierten Laien geführt.

"Kein Katholik daran gebunden"

Ein Ergebnis des synodalen Wegs ist allerdings nicht absehbar, denn der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen und am Ende kann nichts ohne eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe beschlossen werden. Die Synodalversammlung ist das Hauptgremium des Synodalen Wegs. Dabei geht es um vier Themenfelder: die Position der Frauen in der Kirche, den Umgang mit Macht, die katholische Sexualmoral und die priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat). Am Ende des Wegs voraussichtlich im Jahr 2023 sollen konkrete Reformen stehen.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der römischen Glaubenskongregation, kritisierte den Reformprozess. Wer sich auch nur halbwegs auskenne, wisse, "dass es bei diesem Schauspiel vor einer kirchenfremden Öffentlichkeit um die Macht geht und nicht um die Wahrheit des Evangeliums", teilte Müller der DPA mit. Müller nannte die Synodalversammlung ein "nach eigenen Gesetzen zusammengesetzte Gremium", das "keinerlei lehramtliche Autorität" habe. "Kein Katholik ist in irgendeiner Weise an etwas gebunden, das nicht verbindlich zu glauben vorgelegt wird durch den Gesamtepiskopat mit dem Papst an seiner Spitze als Repräsentant der Einheit der Kirche mit ihrem Haupt."

Müller nahm auch den konservativen Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in Schutz. Dieser hatte den Reformern vorgeworfen, den Missbrauchsskandal für eine Umgestaltung der katholischen Kirche zu instrumentalisieren. Bätzing, hatte dies als "eine sehr unerlaubte, sehr anmaßende Stellungnahme" bezeichnet.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa

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