Der Tag

Fünf Jahre "Wir schaffen das" Lamya Kaddor: "Die Debatte ist konstruiert und unehrlich"

31.08.2020, 13:20 Uhr
132439374
(Foto: picture alliance/dpa)

Die Debatte über die drei Worte ist hysterisch. Sie wurde dem Land von Rechtspopulisten und deren eifrigen Adjutanten innerhalb der öffentlichen Meinungsbildung aufgezwungen. Sie ist konstruiert und unehrlich.

Wäre sie ehrlich, wäre jedem klar, was mit "schaffen" überhaupt gemeint ist. Was gilt es denn zu schaffen? Darauf dürften AfD-Wähler eine andere Antwort geben als etwa Grünen-Anhängerinnen. Dieses "Was" müsste daher Zentrum der Auseinandersetzung sein - nicht Angela Merkels Wortwahl.

So ist die Floskel "Wir schaffen das" nichts anderes als ein Objekt, an dem sich Kritiker der Flüchtlingspolitik und "Merkel muss weg"-Rufer seit Jahren abarbeiten.

Filtriert bleiben es drei lapidare Worte, die Merkel auf einer Sommerpressekonferenz geäußert hat. Sie waren keine programmatische Aussage. Nicht der Titel eines politischen Programms. Sie waren schlicht ein Versuch der Aufmunterung, der vollkommen überinterpretiert wird. Was hätte die Kanzlerin in der Ausnahmesituation 2015 sonst sagen sollen? Etwa: "Deutschland geht unter! Rette sich, wer kann!"?

Lamya Kaddor ist Islamwissenschaftlerin, islamische Religionspädagogin und Publizistin.

Quelle: ntv.de