Fünf Jahre "Wir schaffen das" Leslie Mandoki: "Wir müssen schneller und besser werden"

Seit 2015 ist viel geschafft worden, aber es gibt noch viele Bereiche, in denen wir schneller und besser sein müssen. Solange Fluchtgründe fortbestehen, neue Krisenherde aufflammen, oft befeuert durch eine katastrophale Außenpolitik und skrupellose globale Ausbeutung, solange ein enormer Leidensdruck Menschen in die Flucht treibt, solange wir kriminellen Menschenhandel nicht massiv bekämpfen, solange neue Parallelgesellschaften entstehen, haben wir "es" nicht geschafft.
Nach meiner Flucht aus der stalinistisch-kommunistischen Diktatur Ungarns vor 45 Jahren fand ich mich als illegaler Einwanderer und Asylsuchender in Deutschland wieder. Damals gab es weder Willkommenskultur noch Integrationsbeauftragte. Ich bin geblieben, weil ich mich in dieses Land, seine Menschen, die Kultur und die Werte verliebt habe. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Integration gelingt nur mit klaren Richtlinien. Und der Möglichkeit, sich selbst emotional und rational eine neue Heimat zu erbauen. Nichts integriert besser als Zusammenarbeit. Integration muss von beiden Seiten gewollt werden - von der aufnehmenden Gesellschaft und den Einwanderern.
Wir müssen vermitteln, dass unsere freiheitliche Demokratie nicht zur Disposition steht. Ob jemand seine wahre Identität zu Protokoll gibt, ist keine kulturelle Frage, sondern eine rechtsstaatliche Angelegenheit. Gleiches Recht für alle, keine Toleranz für Intoleranz. Wir stehen heute mehr denn je vor immensen Herausforderungen, die wir nur dann bewältigen, wenn wir die Spaltung der Gesellschaft überwinden und den Diskurs in unsere Mitte zurückholen. Nur mit einer "Politik des neuen Wir" und einer Vision für unsere Zukunft können wir "es" schaffen.
Leslie Mandoki ist Musiker, Vater, Flüchtling, illegaler Einwanderer und Weltbürger.