Der TagMassaker in Suwaida: 145.000 Menschen vertrieben
Suwaida – dieser Ort war wohl bis vor etwa einer Woche kaum jemandem in Deutschland so wirklich ein Begriff. Es ist eine Provinz im südlichen Syrien und die Menschen dort, mehrheitlich Drusen, haben Entsetzliches erfahren: Erschießungen, Enthauptungen, Misshandlungen, sexuelle Gewalt - die Aufnahmen, die in den vergangenen Tagen aus der Region im Internet gelandet sind, sind mehr als verstörend. Eine mindestens zweifelhafte Rolle spielten dabei syrische Regierungstruppen. Zugeschoben wird die Schuld sunnitischen Beduinen, die die Bevölkerung in Suwaida überfallen und ein regelrechtes Massaker mit mehr als 1300 Toten angerichtet haben sollen. Einfach so und keiner tut etwas dagegen? Am Ende schon, aber es brauchte offenbar erst deutliche "Warnungen" aus Israel, das sich nach eigenen Angaben dem Schutz der Drusen verpflichtet fühlt, mit Raketeneinschlägen in der Nähe des Präsidentenpalastes, um Übergangs-Regierungschef Ahmed al-Scharaa seine eigene Perspektive aufzuzeigen, wenn er nicht einlenkt. Die erste Bilanz dieser Gewalt ist desaströs: Neben den unzähligen Toten wurden viele Menschen verletzt. Zudem wurden rund 145.000 Menschen in der Provinz vertrieben. Das teilt das UN-Nothilfebüro Ocha mit.
Auch wenn Scharaa die Beduinen zum Abzug aus der Provinz bewegt hat, ist die Lage für die Menschen weiter schlecht: Tausende Menschen sind ohne Strom, es gibt kaum Zugang zu sauberem Wasser und Lebensmittel werden knapp, auch funktionieren Kommunikationstechnologien wie Telefon und Internet nicht. Es ist auch nicht das erste Mal, dass der neue syrische Machthaber, der der islamistischen Rebellengruppe HTS angehört, entweder nichts dagegen unternehmen kann oder will, wenn Minderheiten in Syrien abgeschlachtet werden wie im März die Alawiten. Wer Suwaida auf der Karte nicht kennt und die Gefahr für die Menschen dort nicht sehen will, riskiert die nächste große Geflüchtetenwelle aus Syrien. Die Zeichen stehen momentan nicht auf Demokratie und einen funktionierenden Rechtsstaat, der allen Gruppen ein friedvolles Leben ermöglicht – den bislang eher leeren Versprechungen Scharaas zum Trotz.